Cern: unerwartetes Phänomen beobachtet

Forscher am Europäischen Kernforschungszentrum Cern in Genf vermuten bei Proton-Proton-Kollisionen im CMS-Teilchendetektor Anzeichen für ein neues Phänomen entdeckt zu haben, das bisher nur bei Kollisionen mit schweren Ionen nachzuweisen war. Die Forscher hoffen, mit künftigen Experimenten die Beobachtungen erklären zu können.

5. Okt. 2010
Beispiel einer Proton-Proton-Kollision bei 7 TeV Energie, in der mehr als 100 geladene Teilchen erzeugt wurden.
Beispiel einer Proton-Proton-Kollision bei 7 TeV Energie, in der mehr als 100 geladene Teilchen erzeugt wurden.
Quelle: Cern / CMS-Kollaboration

Mit dem CMS-Experiment am Large Hadron Collider (LHC) haben Wissenschafter entdeckt, dass bei Protonen-Kollisionen mit einer Schwerpunktenergie von 7 Teraelektronenvolt (TeV) – 3,5 TeV pro Strahl – unerwartet viel Teilchen produziert werden. Die Forscher sprechen von über hundert Teilchen – rund fünf Mal mehr als erwartet. Kollisionen mit sogenannter «hoher Multiplizität» konnten die Forscher bisher nur bei Zusammenstössen schwerer Ionen wie Gold- oder Kupfer-Atomkernen beobachten.

Erklärung steht noch aus

Laut ETH-Professor Günther Dissertori, stellvertretender wissenschaftlicher Koordinator des CMS-Experiments, können die Wissenschafter noch nicht mit Sicherheit sagen, welcher physikalische Prozess der Beobachtung zugrunde liegt. Nun kommen die theoretischen Teilchenphysiker zum Zug, die versuchen werden, das Phänomen zu erklären. Laut Dissertori sind am LHC Ende dieses Jahres Schwerionen-Kollisionen (Blei-Ionen auf Blei-Ionen) geplant, die diese physikalischen Phänomene erklären helfen könnten. Weitere Informationen erhoffen sich die Forscher von Proton-Proton-Kollisionen im LHC bei der maximalen Energie von 14 TeV, die für 2013 geplant sind.

Der CMS-Detektor ist einer der vier grossen Hauptdetektoren am LHC. Die Konstruktion des rund 14'000 t schweren «Compact-Muon Solenoid»-Detektors dauerte 16 Jahre. Die wissenschaftliche Kollaboration rund um den CMS besteht aus mehr als 3100 Wissenschaftern und Ingenieuren aus 169 Institutionen und Forschungslaboratorien aus 39 Ländern der ganzen Welt.

Quelle

M.B. nach Cern, Medienmitteilung, 21. September 2010, sowie ETH-Life, 23. September 2010

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