Deutschland diskutiert Weiterbetrieb der Kernkraftwerke

Vor dem Hintergrund des Krieges in der Ukraine erwägt Deutschland eine Überprüfung der für Ende des Jahres geplanten Stilllegung seiner verbliebenen drei Kernkraftwerkseinheiten. Der Wirtschaftsminister Robert Habeck von den Grünen sagte gegenüber dem TV-Sender ARD: «Es gehört zu den Aufgaben meines Ministeriums, diese Frage zu beantworten. Ich würde es nicht aus ideologischen Gründen ablehnen – aber die Vorprüfung hat gezeigt, dass es uns nicht weiterhilft.» Die Kraftwerksbetreiber schliessen den Weiterbetrieb nicht kategorisch aus.

2. März 2022
Robert Habeck
Deutschland Wirtschaftsminister Robert Habeck will einen Weiterbetrieb der der letzten Kernkraftwerke in Deutschland nicht aus ideologischen Gründen ablehnen.
Quelle: Dominik Butzmann

Deutschland bezieht fast die Hälfte seines Gasverbrauchs aus Russland und will diese Abhängigkeit angesichts der derzeitigen unsicheren Lage verringern. Mit Bezug auf die Betreiber der deutschen Kernkraftwerke sagte Habeck, dass eine mögliche Betriebsverlängerung für den Winter 2022/2023 nicht helfen würde. «Weil die Vorbereitungen der Abschaltung schon so weit fortgeschritten sind, dass die Atomkraftwerke nur unter höchsten Sicherheitsbedenken und möglichweise noch nicht gesicherten Brennstofflieferungen weiterbetrieben werden könnten.»

Betreiber signalisieren Gesprächsbereitschaft
Die Betreiber der deutschen Kernkraftwerke hatten bislang öffentlich einen Weiterbetrieb über 2022 abgelehnt. Gegenüber dem «Handelsblatt» sagte ein Sprecher von Eon jetzt dazu: «In dieser Ausnahmesituation sind wir als Eon bereit, darüber zu sprechen, unter welchen technischen, organisatorischen und regulatorischen Randbedingungen eine verlängerte Nutzung des Kernkraftwerks Isar 2 möglich wäre, sofern dies seitens der Bundesregierung ausdrücklich gewünscht ist». EnBW, Betreiber von Neckarwestheim-2 äussert sich laut Handelsblatt wie folgt: «Falls es aufgrund des Kriegs in der Ukraine erforderlich sei, und für die Versorgungssicherheit unumgänglich, werde EnBW mithelfen, alle Möglichkeiten technologieoffen auszuloten».

Der Betreiber des Kernkraftwerks Emsland, RWE, zeigte sich deutlich zurückhaltender: «Es gibt eine klare gesetzliche Regelung zur Abschaltung der Kernkraftwerke. Unser Kraftwerk im Emsland ist auf den Auslaufbetrieb zum Ende des Jahres ausgerichtet, zu dem Zeitpunkt wird der Brennstoff aufgebraucht sein. Ein Weiterbetrieb wäre – anders als etwa bei Kohlekraftwerken – ohne Weiteres nicht machbar, dafür gibt es extrem hohe Hürden, sowohl technisch als auch genehmigungsrechtlich».

In Frankreichs Wirtschaftsnachrichtensender «BFM Business» bot der CEO des staatlichen Nuklearkonzerns Orano, Philippe Knoche, Deutschland seine Unterstützung an: «Wenn Deutschland und die Betreiber dies wünschen, werden Lösungen gefunden, damit ihre Kernkraftwerke weiter betrieben werden können. Ich bin bereit, Tag und Nacht zu arbeiten, um ihnen zu helfen.»

Quelle

S.D. nach ARD «Bericht aus Berlin», 27. Februar 2022, BFM Business «Good Morning Business», 28. Februar 2022 und Handelsblatt, 1. März 2022

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