Deutschland: Kernenergie stützt die Erneuerbaren

Die diesjährige Jahrestagung des Deutschen Atomforums vom 4. bis 6. Mai 2010 in Berlin stand im Zeichen der Laufzeitverlängerung der deutschen Kernkraftwerke. Personell sei die deutsche Industrie für den weiteren Betrieb gewappnet, lautete die Botschaft an die Politik. Klar ist der Weg auf der europäischen Ebene: In der EU ist und bleibt die Kernenergie ein massgeblicher Pfeiler auch der langfristigen Energiezukunft.

12. Mai 2010
Harmonie an der Jahrestagung des Deutschen Atomforums: viel Applaus für die musikalischen Leckerbissen der «Camerata Nucleare», dem Sinfonieorchester der deutschen Energiewirtschaft unter der Leitung von Jaroslav Opela.
Harmonie an der Jahrestagung des Deutschen Atomforums: viel Applaus für die musikalischen Leckerbissen der «Camerata Nucleare», dem Sinfonieorchester der deutschen Energiewirtschaft unter der Leitung von Jaroslav Opela.
Quelle: Nuklearforum Schweiz

«Es gibt kein generelles Akzeptanzproblem in Deutschland», stellte Ralf Güldner, Stellvertretender Vorsitzender der E.On Kernkraft und neuer Präsident des Deutschen Atomforums, anlässlich der Tagungseröffnung fest. Bei dieser Aussage stützte er sich auf die jüngsten Meinungsumfragen. «Vielen Menschen ist bewusst: Wer die Kernenergie in Frage stellt, muss realistische Alternativen benennen.» Der Ersatz der Kernenergie durch erneuerbare Energien sei kein tragfähiges Konzept, sondern nur das alte Denken des Entweder-oder und ohne jede Wirkung auf die deutsche CO2-Bilanz. Das Deutsche Atomforum werde daher weiterhin seine Linie des strompolitischen Sowohl-als-auch vertreten und die volkswirtschaftlichen und umweltpolitischen Vorteile eines ausgewogenen Strommix hervorheben.

Ausgleich der Windschwankungen

«Kernenergie und Erneuerbare stehen nicht in direktem Wettbewerb, sondern ergänzen sich hervorragend», betonte Güldner. «In Deutschland ist heute bereits bewährte Praxis, dass im Bedarfsfall auch die Kernenergie einen wesentlichen Beitrag leistet, die schwankenden Einspeisungen der erneuerbaren Energien durch den sogenannten Lastfolgebetrieb auszugleichen.» Mit Verweis auf andere Länder wie Frankreich, Grossbritannien, China oder die USA forderte er in Deutschland mehr Respekt vor den Fakten und weniger Ideologie. Die Bereitschaft der gegenwärtigen Bundesregierung, die Laufzeit der Kernkraftwerke zu verlängern, wie auch die Entscheidung des Bundesumweltministers, das Moratorium zur Erkundung des Salzstocks Gorleben als Endlager für hochaktive Abfälle aufzuheben, begrüsste Güldner als Schritte in die richtige Richtung.

Gewappnet für Laufzeitverlängerung

An der Jahrestagung stellten Eberhard Hoffmann von Simulatorzentrum in Essen, Christian Schönfelder vom Trainingszentrum der Areva in Offenbach und Thomas Riekert vom TÜV Nord in Hamburg übereinstimmend dar, dass ihre Institutionen personell gut aufgestellt seien, um den allfälligen Weiterbetrieb der deutschen Kernkraftwerke sicherzustellen. Das Interesse des Nachwuchses an der Kernenergie sei vorhanden, sagte Hoffmann, und Schönfelder unterstrich, dass die Areva seit Januar 2009 in Deutschland, Frankreich und den USA über tausend neue Mitarbeiter geschult habe. Auch Riekert versicherte, dass der TÜV im Nuklearbereich den Generationenwechsel geschafft habe.

Europäisierung der Energiepolitik

Unterstützung findet die deutsche Kernenergiebranche beim neuen EU-Energiekommissar Günther Oettinger, dem vormaligen Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg. An der Tagung in Berlin unterstrich er, dass Elektrizität in Zukunft immer wichtiger werde. Die EU wolle ein strenger, aber fairer Partner der Kernenergie sein, denn «in einem klugen Energiemix werden alle gebraucht».

«Wir befinden uns mitten in einer Epoche der Europäisierung der Energiepolitik», sagte Oettinger weiter. Die Energieunternehmen seien längst europäisch aufgestellt, und die EU könne in Energiefragen nur dann auf gleicher Augenhöhe mit China, Russland und den USA bestehen, wenn sie gemeinsam handle. Als vordringliche Aufgabe der kommenden fünf bis fünfzehn Jahre bezeichnete er den Aufbau eines leistungsfähigen europäischen Leitungsnetzes, insbesondere bei einem weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien.

EU bleibt bei der Kernenergie

Ute Blohm-Hieber, Abteilungsleiterin für Kernenergie und Abfallmanagement der EU-Kommission, präsentierte als Vision für das Jahr 2050 einen EU-Strommix aus einem Fünftel fossilen Energien mit Kohlenstoffabscheidung (CCS) sowie vier Fünfteln erneuerbaren Energien und Kernenergie. Zwischen letzteren solle sich eine Balance einstellen, wobei für die EU-Kommission die Kernenergie ein wichtiger Pfeiler sei und bleibe. «Ob der Kernenergieanteil dannzumal bei 30 oder 40% liegen wird, das wissen wir heute aber noch nicht», sagte Blohm-Hieber.

Quelle

M.S.

Bleiben Sie auf dem Laufenden

Abonnieren Sie unseren Newsletter

Zur Newsletter-Anmeldung

Profitieren Sie als Mitglied

Werden Sie Mitglied im grössten nuklearen Netzwerk der Schweiz!

Vorteile einer Mitgliedschaft