«Eine Laufzeitverlängerung lässt sich nicht improvisieren»

In einem Interview mit dem belgischen TV-Sender RTBF erklärte der CEO von Engie-Electrabel Thierry Saegeman, dass es nicht mehr möglich sei, die Laufzeiten der Kernkraftwerkseinheiten Doel-4 und Tihange-3 in Belgien zu verlängern.

17. Dez. 2021
Thierry Saegeman, CEO von Engie-Electrabel
Für Thierry Saegeman, CEO von Engie-Electrabel, ist es nicht mehr möglich, die Laufzeit der zwei jüngsten Kernkraftwerkseinheiten Belgiens zu verlängern. Ein solches Projekt benötige eine Ausführungsfrist von mindestens fünf Jahren.
Quelle: Engie

In einem Schreiben vom 7. Dezember 2021 des Stromversorgers Engie an den belgischen Ministerpräsidenten Alexander De Croo steht, dass «es keine andere Option mehr gebe, als die progressive Stilllegung der Kernkraftwerkseinheiten einzuleiten». Unter den jetzigen regulatorischen Bedingungen sei es für das Unternehmen unmöglich, die beiden jüngsten Blöcke Doel-4 und Tihange-3 über das Jahr 2025 hinaus weiterzubetreiben.

Belgien hatte den Kernenergieausstieg bereits 2003 gesetzlich festgeschrieben. Laut dem «Energiepakt» von 2018 sollen die sieben Kernkraftwerkseinheiten des Landes zwischen 2022 und 2025 vom Netz gehen. Das Parlament diskutiert jedoch seit längerem über Laufzeitverlängerungen, insbesondere da die entstehende Stromlücke mit Gaskraftwerken geschlossen werden soll. Bis Ende 2021 will die Regierung definitiv über den Weiterbetrieb von Doel-4 und Tihange-3 oder den Kernenergieausstieg bis 2025 entscheiden.

«Zu viele Hindernisse»
In einem Interview in der Sendung Déclic des Senders RTBF vom 8. Dezember erklärte Thierry Saegeman, CEO der Kernkraftwerksbetreiberin Engie-Electrabel: «Die Anzahl der vor uns liegenden Hindernisse macht eine Laufzeitverlängerung nicht mehr möglich. Es ist keine Frage des Wollens mehr: Dieser Zeitpunkt ist seit 2020 vorbei. Wir wollten, aber es ist keine Frage des Wollens mehr, sondern es ist eine Frage des Könnens.» Gesetze zu ändern und Zeitpläne zu verlängern, sei keine Lösung mehr, fügte er hinzu. Er ist der Ansicht, dass «der Plan A der Regierung darin besteht, die Kernenergie durch Gaskraftwerke zu ersetzen». In diesem Zusammenhang könne «eine Laufzeitverlängerung eines Kernkraftwerks, nicht einfach improvisiert werden». Heute käme für ihn die Entscheidung, Einheiten länger laufen zu lassen, «sportlich gesehen einem 3000-Meter-Steeple-Lauf mit vielen Hindernissen» gleich, während der Regierungsplan A – der zügige Bau von Gaskraftwerken – «einem 100-Meter-Lauf» entspreche. Laut Saegeman muss man sich jetzt dem Rückbau der Reaktoren zuwenden.

Quelle

M.A. nach RTBF, Video-Interview, 8. Dezember 2021

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