Ereignisse in der Ukraine gemäss Informationen der IAEO vom 3. März 2022

Die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO) verfolgt die Situation in der Ukraine und ist im ständigen Kontakt mit dem State Nuclear Regulatory Inspectorate of Ukraine (SNRIU). Am 3. März informierte die IAEO über Kampfhandlungen rund um das Kernkraftwerk Saporoschje und über russische Infanterietruppen, die sich auf der Zufahrtsstrasse dem Kernkraftwerk nähern. Zudem wurde auf die aktuell herausfordernde Lage für das Personal in Tschernobyl eingegangen und über einen Stromausfall berichtet.

4. März 2022
Flagge der IAEO
Krieg in der Ukraine: Die IAEO informiert über die Kernanlagen.
Quelle: IAEO

Die folgende Zusammenfassung basiert auf IAEO-Informationen.

IAEO-Update 9: Kämpfe auf der Zufahrtsstrasse zum Kernkraftwerk Saporischschje
Die Ukraine hat die IAEO heute darüber informiert, dass eine grosse Anzahl russischer Panzer und Infanterie «durch den Sperrposten» in die Stadt Enerhodar, wenige Kilometer vom Kernkraftwerk Saporischschje entfernt, eingedrungen sei, so Generaldirektor Rafael Mariano Grossi.

In einem dringenden Schreiben an den Generaldirektor fügte SNRIU hinzu, dass sich russische Infanterietruppen direkt auf das Gelände des grössten ukrainischen Kernkraftwerks zubewegten. «Die Kämpfe finden in der Stadt Enerhodar und auf der Strasse zum Gelände des Kernkraftwerks Saporischschje statt», hiess es, und die Lage sei «kritisch».

Generaldirektor Grossi appellierte an die sofortige Einstellung der Gewaltanwendung in Enerhodar und forderte die dort operierenden Streitkräfte auf, von Gewalt in der Nähe des Kernkraftwerks abzusehen.

IAEO-Update 8: Herausfordernde Lage für das Personal in Tschernobyl
Die Ukraine hat die IAEO darüber informiert, dass das Personal des Kernkraftwerks Tschernobyl – das seit der Übernahme der Kontrolle über das Gelände durch russische Streitkräfte vor einer Woche dort festgehalten werde – «psychischem Druck und moralischer Erschöpfung» ausgesetzt sei und «nur begrenzte Möglichkeiten hat, zu kommunizieren, sich zu bewegen und vollwertige Wartungs- und Reparaturarbeiten durchzuführen». Der IAEO-Generaldirektor Grossi betonte, dass es dem Personal erlaubt werden müsse, sich auszuruhen und sich zu bewegen, damit sie ihre wichtige Arbeit sicher verrichten könnten.

Dies war Teil eines am 3. März eingegangenen gemeinsamen Appells der ukrainischen Regierung, SNRIU und des Kernkraftwerksbetreibers an den IAEO-Generaldirektor. Sie bestätigten auch, dass die Ukraine die behördliche Kontrolle über alle Anlagen in der Sperrzone von Tschernobyl verloren habe, und forderten die IAEO auf, Massnahmen zu ergreifen, «um die rechtmässige Regulierung der Sicherheit der kerntechnischen Anlagen und Einrichtungen am Standort des Kernkraftwerks Tschernobyl und in der Sperrzone wiederherzustellen».

Der Generaldirektor erklärte Anfang der Woche, er führe Konsultationen durch, um einem Ersuchen von SNRIU um sofortige Unterstützung bei der Gewährleistung der Sicherheit des Kernkraftwerks Tschernobyl und anderer kerntechnischer Anlagen in der Ukraine nachzukommen.

In einem separaten technischen Lagebericht an die IAEO teilte SNRIU heute mit, dass der Strom von einer der beiden externen Stromleitungen, die das Gelände von Tschernobyl mit Strom versorgen, über Nacht ausgefallen sei. Über diese Leitung würden keine sicherheitsrelevanten Einrichtungen mit Strom versorgt. Dennoch sei es aufgrund des Stromausfalls zu Schwierigkeiten bei der Durchführung von routinemässigen Wartungs- und Reparaturarbeiten an einigen sicherheitsrelevanten Anlagen gekommen, so SNRIU.

Gemäss IAEO wird das Kernkraftwerk Tschernobyl seit dem Unfall 1986 stillgelegt und lagern in verschiedenen Anlagen am Standort noch erhebliche Mengen an Kernmaterial in Form von abgebrannten Brennelementen und anderen radioaktiven Abfällen. Die IAEO hielt in ihrem Update deshalb fest: «Aufgrund der seit dem Unfall in Tschernobyl 1986 verstrichenen Zeit reichen die Wärmelast des Lagerbeckens für abgebrannte Brennelemente und die Menge des darin enthaltenen Kühlwassers aus, um eine wirksame Wärmeabfuhr zu gewährleisten, ohne dass eine elektrische Versorgung erforderlich ist. Ausserdem verfügt der Standort über Notstromdieselgeneratoren für den Fall eines totalen Stromausfalls.»

Zur aktuellen Lage sagte Generaldirektor Grossi: «Ich bin nach wie vor sehr besorgt über die sich verschlechternde Situation in der Ukraine, insbesondere über die Kernkraftwerke des Landes, die ohne jegliche Sicherheitsbedrohung weiter betrieben werden müssen. Jeder durch den militärischen Konflikt verursachte Unfall könnte äusserst schwerwiegende Folgen für die Menschen und die Umwelt in der Ukraine und darüber hinaus haben.»

Quelle

B.G. nach IAEO, Medienmitteilungen, 3. März 2022

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