Ereignisse in der Ukraine gemäss Informationen der IAEO vom 5. Mai 2022

Die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO) verfolgt die Situation in der Ukraine und ist im ständigen Kontakt mit dem State Nuclear Regulatory Inspectorate of Ukraine (SNRIU). Am 4. und 5. Mai traf sich der IAEO-Generaldirektor Rafael Mariano Grossi mit Vertretern der Ukraine und Russlands, um die Lage im ukrainischen Kernkraftwerk Saporoschje zu besprechen. Die Fernüberwachung des stillgelegten Kernkraftwerks Tschernobyl funktioniert wieder.

6. Mai 2022
Flagge der IAEO
Krieg in der Ukraine: Die IAEO informiert über die Kernanlagen.
Quelle: IAEO

Die folgende Zusammenfassung basiert auf IAEO-Informationen.

Treffen von Grossi mit Vertretern der Ukraine und Russlands
Die IAEO informierte am 5. Mai 2022 darüber, dass Generaldirektor Grossi am IAEO-Hauptsitz in Wien Oleh Korikow, den Leiter der ukrainischen Atomaufsichtsbehörde SNRIU, empfangen habe, «um die Bemühungen der Organisation zu erörtern, die Sicherheit und Sicherung der Nuklearanlagen des Landes während des aktuellen Konflikts zu gewährleisten».

Gemäss IAEO wurde beim Treffen auch über die Situation im Kernkraftwerk Saporoschje im Süden der Ukraine geredet, das mit sechs Reaktoren das grösste der Ukraine ist. Russische Streitkräfte haben das Kernkraftwerk vor zwei Monaten in ihre Gewalt gebracht, aber das ukrainische Personal betreibt die Anlage weiter. Die IAEO sei dazu bereit, ihre «unverzichtbare Rolle» auch in Bezug auf die nukleare Sicherheit und Sicherung des Kernkraftwerks Saporoschje zu erfüllen, bekräftigte der IAEO-Generaldirektor.

Bereits am 4. April hatte sich Generaldirektor Grossi mit Alexej Lichatschow getroffen, dem Generaldirektor des russischen Staatskonzerns Rosatom, und anderen hochrangigen russischen Beamten in Istanbul. Dort habe Grossi «die Dringlichkeit der Gewährleistung der Sicherheit» für das Kernkraftwerk Saporoschje betont, so die IAEO.

Am 29. April teilte die Ukraine der IAEO mit, dass das Personal in Saporoschje «unter unglaublichem Druck» arbeiten würde und machte folgende Angaben zur Situation: «Rosenergoatom – eine Einheit des staatlichen russischen Atomkonzerns Rosatom – hat eine Gruppe von Nuklearspezialisten in das Kernkraftwerk Saporoschje entsandt … Es hiess, sie verlangten von der Betriebsleitung tägliche Berichte über ‹vertrauliche Sachverhalte› zum Betrieb des Kernkraftwerks, welche Aspekte der Verwaltung und des Managements, der Wartungs- und Reparaturarbeiten, der Sicherung und Zugangskontrolle sowie der Verwaltung von Kernbrennstoffen, ausgedienten Brennelementen und radioaktiven Abfällen abdecken.»

IAEO-Mission nach Saporoschje
Zur Rolle der IAEO bezüglich Kernkraftwerk Saporoschje hat sich Generaldirektor Grossi unter anderem in seinem zusammenfassenden Bericht über die nukleare Sicherheit und Sicherung in der Ukraine geäussert, der am 28. April veröffentlicht wurde. Dort schreibt er, dass er «vorgeschlagen hat, nach den erforderlichen Konsultationen und zum frühestmöglichen Zeitpunkt einen Besuch im Kernkraftwerk Saporoschje durchzuführen». Er hält aber auch fest, dass die Situation im Kernkraftwerk «weiterhin eine Herausforderung darstellt und aufgrund der Anwesenheit von russischen Streitkräften und Rosatom-Personal am Standort ständige Aufmerksamkeit erfordert, während die Betriebsleitung weiterhin bei den ukrainischen Betreibern liegt». Die IAEO braucht also in den Gesprächen viel Fingerspitzengefühl, da eine IAEO-Mission ins besetzte Kernkraftwerk auch ein politisch anspruchsvolles Thema ist.

Lagebericht zu den ukrainischen Kernkraftwerken
Die Ukraine habe die IAEO am 5. Mai darüber informiert, dass derzeit sieben der insgesamt 15 Reaktoren am Netz seien: zwei im Kernkraftwerk Saporoschje, zwei im Kernkraftwerk Rowno, zwei im Kernkraftwerk Südukraine und einer im Kernkraftwerk Chmelnizki. Die acht anderen Reaktoren seien für regelmässige Wartungsarbeiten abgeschaltet oder würden in Reserve gehalten. «Die Sicherheitssysteme sind in den vier Kernkraftwerken nach wie vor funktionsfähig, und sie verfügen auch weiterhin über eine externe Stromversorgung», so die Ukraine.

Fernüberwachung zur Verhinderung der Proliferation funktioniert
Aus dem stillgelegten Kernkraftwerk Tschernobyl war die Datenübertragung der Fernüberwachung zur Verhinderung der Proliferation nach Wien zwei Monate lang unterbrochen. Nach Abzug der russischen Streitkräfte aus Tschernobyl und umfangreichen Vorbereitungsarbeiten führten dort IAEO-Inspektoren und -Techniker in der vergangenen Woche Kontroll-, Reparatur- und Instandstellungsarbeiten durch. Gemäss IAEO konnten sie «die Daten aller dort installierten unbeaufsichtigten Überwachungssysteme vollständig wiederherstellen». «Dank der Einrichtung neuer Übertragungskanäle auf der Grundlage von Satellitentechnologien konnte auch die Fernübertragung der Überwachungsdaten an den Hauptsitz der Agentur in Wien vollständig wiederhergestellt werden, mit Ausnahme einer Anlage, für die noch technische Arbeiten erforderlich sind», schreibt die IAEO. Die Übermittlung der Fernüberwachungsdaten aus den anderen Kernkraftwerk der Ukraine an die IAEO würde weiterhin funktionieren, so die IAEO.

Quelle

B.G. nach IAEO, Medienmitteilungen, 29. April, 3. und 4. Mai 2022

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