Frankreich: Neuorganisation des Nuklearsektors
Staatspräsident Nicolas Sarkozy hat am 27. Juli 2010 die Neuordnung des Kernenergiesektors angekündigt. Damit will er die Atomwirtschaft – ein strategisches Element der Energie- und Wirtschaftspolitik Frankreichs – stärken.
Die Ankündigung Sarkozys folgte einem Treffen mit einem nationalen Kernenergierat und der Veröffentlichung der Synthese eines wegweisenden Berichts über die Zukunft der zivilen Kernenergie-Industrie Frankreichs.
Um den Zusammenhalt des französischen Kernenergiesektors zu stärken, sollten die beiden Marktführer Electricité de France (EDF) und Areva künftig enger zusammenarbeiten. Eine strategische Partnerschaft zwischen den beiden Unternehmen solle alle Bereiche der gemeinsamen Aktivitäten und Interessen abdecken, teilte Sarkozy mit. Sie würde auch darauf abzielen, eine sichere und wettbewerbsfähige Versorgung mit Kernbrennstoffen zu gewährleisten. Für den Export von Kernkraftwerken, würden die beiden Unternehmen – wenn es die Kundenbedürfnisse erforderten – eine Organisation schaffen, die sich auf die Kompetenz der EDF als Betreiberin wie auch als Leiterin von Bau- und Installationsarbeiten (architect-engineer) stützt. Die Partnerschaft werde die EDF und die Areva nicht daran hindern, mit anderen industriellen Partnern zusammenzuarbeiten.
Sarkozy stützt sich bei seinen Ausführungen auf die Empfehlungen des Berichts von François Roussely. Dem zufolge muss« der Staat die industriellen Strukturen für den Export schaffen». Roussely, ehemaliger CEO der EDF und jetzt CEO der Credit Suisse Asset Management France SA, hatte Ende Oktober 2009 von der Regierung den Auftrag erhalten, eine vertiefte Studie zur Zukunft der zivilen Kernenergie-Industrie Frankreichs durchzuführen.
Kapitalerhöhung für Areva
Die Entwicklung der industriellen Kapazitäten der französischen Kernenergiewirtschaft erfordere beträchtliche Investitionen in unterschiedliche Geschäftsfelder der Areva. Zur Finanzierung dieser Investitionen werde eine seit längerer Zeit geplante Kapitalerhöhung von höchstens 15% bei der Areva bis Ende Jahr verwirklicht, kündigte Sarkozy an. Zudem werde eine grössere Beteiligung der EDF an der Areva geprüft.
Sarkozy forderte die Regierung auf, zusätzliche Massnahmen vorzuschlagen, so zur Koordination der staatlichen Dienstleistungen, zur Stärkung der Forschung und Entwicklung, zum Arbeitskräftepotenzial und zu den Arbeitsbedingungen in der Kernenergie-Industrie.
Quelle
M.A. nach Présidence de la République, Medienmitteilung, 26. Juli 2010, und Synthese des Berichts «Avenir de la filière française du nucléaire civil», 16. Juni 2010