IEA-Bericht: Lob und Kritik für Deutschlands Energiepolitik
Die Internationale Energie-Agentur (IEA) der OECD lobt Deutschlands Energiepolitik. Sowohl aus wirtschaftlicher wie auch aus umweltpolitischer Sicht habe das Land grosse Fortschritte gemacht. Der geplante Ausstieg aus der Kernenergie sei aber zu überdenken.

Aufgrund seiner wirtschaftlichen Stärke und strategischen Lage in Europa kommt Deutschland grosse Bedeutung innerhalb der OECD und damit weltweit zu, sagte Claude Mandil, Generaldirektor der IEA, am 4. Juni 2007 in Berlin bei der Präsentation des Berichts «Energiepolitik der IEA-Länder: Deutschland - Prüfung 2007». Nur wenige Länder könnten eine so einschneidende Wirkung auf die weltweite Energiepolitik ausüben wie Deutschland.
Kernenergieausstieg bedeutet Zunahme an fossilen Kraftwerken
Derzeit werden in Deutschland 12% des Primärenergieverbrauchs und über ein Viertel der Stromerzeugung durch Kernenergie gedeckt. Ein Ausstieg würde nach Ansicht der IEA neben wirtschaftlichen Konsequenzen bedeutende Auswirkungen auf die Versorgungssicherheit haben. Ausserdem könne der Ausstieg nur durch einen Ausbau der Kohle- oder Gaskraftwerkskapazitäten kompensiert werden, was zu höheren CO2-Emissionen führe.
Empfehlungen der IEA
Die IEA empfiehlt der Bundesregierung
- die Ausstiegsstrategie aus der Kernkraft in Anbetracht der gravierenden Konsequenzen neu zu beurteilen
- die Reform der Strommärkte mit dem Ziel eines gesunden Wettbewerbs weiterzuführen
- die koordinierte und kosteneffiziente Politik im Bereich der erneuerbaren Energien und im Hinblick auf den Klimaschutz zu sichern
Ablehnende Reaktion aus Deutschland
In einer ersten Stellungnahme äusserte sich ein Sprecher des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) ablehnend zu den Empfehlungen der IEA: Sie seien «kurzsichtig und ignorant». Das Argument, dass Deutschland ohne Kernenergie seine Schutzziele nicht erreichen könne, sei längst widerlegt. «Auch die IEA sollte irgendwann erkennen, dass ein neues Energiezeitalter angebrochen ist».
Quelle
M.R. nach IEA und BMU, Medienmitteilungen, 4. Juni 2007 und Germany – 2007 Review, Summary, 2007