IEAO: Techniken zur erfolgreichen Verkürzung der Bauzeiten vorgestellt

Neue industrielle Techniken verkürzen die Bauzeiten und entkräften ein gängiges Argument gegen Kernkraftwerke, dass deren Bau zu viel Zeit in Anspruch nimmt. Laut der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) dauerte der Bau von drei kürzlich abgeschlossenen grossen Nuklearprojekten zwischen sechs und zehn Jahren, wobei modulare Bautechniken, Erfahrungen aus früheren Projekten und eine frühzeitige Einbindung der Aufsichtsbehörden ausschlaggebend für den Fortschritt waren.

6. Okt. 2023
Vogtle-3 und -4 in den USA
Die AP1000-Einheiten Vogtle-3 und -4 gehören zu den drei Kernkraftprojekten, die auf dem Nuclear Operators’ Forum am Rande der 67. IAEO-Generalkonferenz vom 28. September 2023 in Wien vorgestellt wurden.
Quelle: Georgia Power

Auf einer Veranstaltung am Rande der 7. IAEO-Generalkonferenz von Ende September 2023 wurden drei kürzlich fertiggestellte Kernkraftwerksprojekte vorgestellt, bei denen Vertreter erläuterten, wie sie deren Bauzeiten verkürzten und gleichzeitig die Herausforderungen einer globalen Pandemie bewältigen.

Die drei Projekte – Fuqing-5 und -6 in China, Leningrad-II-2 in Russland und Vogtle-3 und -4 in den USA – benötigten zwischen sechs und zehn Jahren Bauzeit. Bei allen fünf Einheiten handelt es sich um moderne Druckwasserreaktoren. Sie unterscheiden sich von früheren Reaktorgenerationen durch den Einsatz passiver oder inhärenter Sicherheitssysteme, eine gewisse Standardisierung der Auslegung und die Verwendung von Elementen der Modulbauweise, wodurch sie schneller und kostengünstiger gebaut werden können.

Fuqing-5 und -6
Die modulare Bauweise war der Schlüssel zur Verkürzung der Bauzeit für Fuqing-5 und -6 vom einheimischen Typ Hualong One. Laut Jia Yuqiang, dem Vorsitzenden des Fuqing-Kernkraftwerks, konnte die Bauzeit um etwa 70 Tage verkürzt werden, da beim Sicherheitsbehälter die Stahlauskleidung in Abschnitten und nicht als einzelnes Objekt angehoben wurde, was die Installation dieses Reaktorteils sicherer und einfacher machte. Bei der Installation des Druckventils, einem oft langwierigen und schwierigen Prozess, verbesserte die 3D-Messtechnik die Qualität und führte dazu, dass das Projekt dem Zeitplan um vier Tage voraus war. Viele der Initiativen zur Zeitersparnis, die in Fuqinq zum Einsatz kamen, waren Reaktionen auf die Erfahrungen beim Bau anderer Kernkraftwerke in China.

Leningrad-II-2
Ähnlich wie beim Bauprojekt Fuqing flossen in den Bau von Block 2 von Leningrad-II die Analysen und Rückmeldungen des 2018 fertiggestellten Blocks 1 und anderer Reaktoren ein. Insgesamt hätten diese Erkenntnisse dazu beigetragen, den Zeitplan und die Tests von Leningrad-II-2 um 27 Tage zu verkürzen, so Alexander Katzman, stellvertretender Generaldirektor für die Inbetriebnahme neuer Blöcke bei Rosenergoatom.

Bei Block 2 setzte das Bauteam eine Open-Top-Technik ein, bei der grosse Reaktorkomponenten durch eine temporäre Dachöffnung im unfertigen Reaktorgebäude installiert wurden, was dem Projekt einen Vorsprung in der Installations- und Schweissphase verschaffte. Durch das parallele Schweissen aller vier Kreisläufe des Kühlsystems konnte die Zeitspanne um 19 Tage verkürzt werden.

Vogtle-3 und -4
Steve Kuczynski, CEO von Southern Nuclear, sagte über den Bau von Vogtle-3 und -4, dem ersten neuen Kernkraftwerksprojekt in den USA seit mehreren Jahrzehnten, dass sein Unternehmen als Eigentümer und Betreiber eines Kernkraftwerks eine Lektion gelernt habe: Der Eigentümer müsse von Anfang an die Kontrolle über die Bauphase innehaben, um den Zeitplan voranzutreiben. Er empfahl eine frühzeitige und häufige Kontaktaufnahme mit der Aufsichtsbehörde und betonte, wie wichtig es sei, Auftragnehmer mit einer nachgewiesenen Erfolgsbilanz auszuwählen sowie finanzielle Anreize und Meilensteine aufeinander abzustimmen und in die richtige Reihenfolge zu bringen.

Laut der Internationalen Energieagentur (IEA) muss die Kernkraftkapazität bis 2050 mindestens verdoppelt werden, damit die globalen Klimaziele erreicht werden. Das bedeute, dass die bestehenden Anlagen modernisiert, erhalten und deren Laufzeiten verlängert sowie neue Kapazitäten in das Netz aufgenommen werden. Die Kernenergie solle nicht nur zur Stromproduktion eingesetzt werden, sondern müsse auch schwer dekarbonisierbare Sektoren wie die Industrie und den Verkehr unterstützen.

Quelle

M.A. nach IEAO, Medienmittelung, 2. Oktober 2023

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