Internationale Analyse: Schweizer Nuklearsektor mit starker Sicherheitskultur
Die Sicherheitskultur im Schweizer Nuklearsektor ist insgesamt robust, sie wird jedoch stark durch nationale kulturelle Eigenheiten geprägt. Zu diesem Schluss kommt ein neuer Bericht der OECD Nuclear Energy Agency (NEA), der im Rahmen des «Country-Specific Safety Culture Forum» (CSSCF) für die Schweiz erstellt wurde.

Der Bericht «Country-Specific Safety Culture Forum: Switzerland» fasst die Ergebnisse der gleichnamigen Veranstaltung vom November 2024 zusammen, die von der NEA und der World Association of Nuclear Operators (WANO) in Zusammenarbeit mit dem Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI) in Bern durchgeführt wurde. Die Analyse bietet eine vertiefte, systematische Auseinandersetzung mit der Frage, wie gesellschaftliche Werte und Verhaltensmuster die Sicherheit in nuklearen Organisationen beeinflussen. Die Ergebnisse basieren auf einer ungewöhnlich breiten Datengrundlage: Insgesamt wurden über 170 Fachpersonen aus dem Schweizer Nuklearsektor einbezogen. Darunter waren Vertreterinnen und Vertreter von Kernkraftwerksbetreibern, Aufsichtsbehörden, Bundesstellen sowie Forschungsinstitutionen.
Eine zentrale Erkenntnis des Berichts ist, dass Sicherheit nicht nur technisch oder regulatorisch geprägt ist, sondern wesentlich von kulturellen Faktoren beeinflusst wird. In der Schweiz tragen insbesondere Konsensorientierung, Pragmatismus, ein hoher Qualitätsanspruch und ein starkes Verantwortungsbewusstsein zu stabilen Prozessen und einem hohen Sicherheitsniveau bei.
Gleichzeitig werden typische Spannungsfelder sichtbar: Konsensorientierung kann Entscheidungen verlangsamen, während Zurückhaltung und Konfliktvermeidung offene Diskussionen erschweren. Auch der hohe Qualitätsanspruch kann Prozesse komplexer machen, und ein starkes Vertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit birgt das Risiko, Selbstkritik zu wenig zu fördern.
Trotz dieser Herausforderungen bestätigt der Bericht eine insgesamt sehr solide Sicherheitskultur im Schweizer Nuklearbereich. Hervorgehoben werden insbesondere das hohe Ausbildungsniveau der Fachkräfte, klare Verantwortlichkeiten sowie ein ausgeprägtes Sicherheitsverständnis auf allen Ebenen. Die Branche verfügt damit über ein stabiles Fundament, um ihre Sicherheitskultur kontinuierlich weiterzuentwickeln.
Der Bericht versteht sich ausdrücklich nicht als abschliessende Bewertung, sondern als Impuls für die weitere Entwicklung. Im Zentrum steht die Empfehlung, den offenen Austausch über kulturelle Einflüsse auf die Sicherheit weiter zu stärken.
Quelle
S.D. nach OECD NEA, Country-Specific Safety Culture Forum, Switzerland, 15. April 2026