Kernenergie beste Lösung für klimafreundliche Stromversorgung
Die Schweizer Treibhausgasemissionen könnten bis 2030 mit verschiedenen Massnahmen fast halbiert werden und dies ohne Komforteinbussen. Eine der wichtigsten Massnahmen ist der Neubau von Kernkraftwerken. Dies ist die Schlussfolgerung des Berichts des Beratungsunternehmens McKinsey & Company «Swiss Greenhouse Gas Abatement Cost Curve», die die Treibhausgasvermeidungskosten der Schweiz untersucht.
Im Vergleich mit anderen westlichen Ländern hat die Schweiz einen relativ niedrigen Ausstoss an Treibhausgasen pro Kopf. Grund dafür ist ihre beinahe CO2-freie Stromproduktion aus mehrheitlich Wasserkraft und Kernenergie: 95% des Schweizer Stroms kommt aus nicht-fossilen Energiequellen, was sich positiv auf die Treibhausgasbilanz des Gesamtenergieverbrauchs der Schweiz auswirkt. Dieser ist mit 33 MWh pro Kopf und Jahr zwar etwas höher als derjenige der Europäischen Union (31 MWh pro Kopf). Durch die klimafreundliche Stromproduktion liegt der jährliche Treibhausausstoss in der Schweiz pro Kopf jedoch bei 7,2 t, während die EU-Mitglieder durchschnittlich 10,5 t pro Kopf und Jahr ausstossen.
Einsparpotenzial von 45% bis 2030
Laut der Studie, die im Januar 2009 veröffentlicht worden ist, könnten bis zum Jahr 2030 insgesamt 45% der heutigen Schweizer Treibhausgasemissionen eingespart werden (25 Mio. t CO2-Äquivalente). Möglich wäre dies durch eine Vielfalt von Massnahmen, die unter USD 100 (CHF 112) pro vermiedene Jahrestonne CO2-Äquivalente kosten würden.
Das grösste Einsparpotenzial liegt im Gebäudesektor (45%), gefolgt von den Sektoren Transport (22%), Energie (16%), Industrie (11%) und Landwirtschaft (6%). Würden diese umgesetzt, so würde der Treibhausgasausstoss pro Kopf in der Schweiz von heute 7,2 t auf 3,8 t im Jahr sinken.
Treibhausgas-verringernde Massnahmen auch finanziell lohnenswert
Die dafür notwendigen Massnahmen entsprechen dem heute technisch Möglichen und wären ohne Einbussen beim heutigen Komfort umsetzbar, so die Studie. Abhängig vom Ölpreis bedeuteten 40-80% der Treibhausgas-vermindernden Massnahmen sogar auch eine finanzielle Ersparnis. Bis zum Jahr 2030 könnten laut der Studie neben den Treibhausgasemissionen auch über EUR 1,5 Mrd. (CHF 2,2 Mrd.) gespart werden (abhängig vom Ölpreis). Zu den Massnahmen, wie der konsequenten Umsetzung technischer Neuerungen an Fahrzeugen und Bauweisen nach Minergie-Standard zählen die Autoren der Studie auch den Bau von Kernkraftwerken.
Ersatz der Stromimporte notwendig
Stromimporte verschlechtern die Treibhausgasbilanz der Schweiz, da Strom aus den Nachbarländern - vor allem aus Deutschland - höhere Treibhausgaswerte aufweist. Durch Sparmassnahmen und den Ausbau der Kernenergie können laut der Studie die sonst erforderlichen Stromimporte bis zum Jahr 2030 ersetzt werden. Dies birgt ein Einsparungspotenzial von mindestens 4 Mio. t CO2-Äquivalente im Jahr.
Der Studie zufolge werden neue Technologien wie Solar- oder Windenergie oder das sogenannte Carbon Capture Storage (CCS) auch bis 2030 keine Rolle bei der Treibhausgasverminderung spielen. Sie bleiben schlichtweg zu teuer. Es ist aber wahrscheinlich, dass sie längerfristig gesehen eine wichtige Rolle spielen würden, folgern die Autoren.
Neue Kernkraftwerke sowohl ökologisch als auch wirtschaftlich beste Lösung
Daher analysiert die Studie im Detail das Potenzial neuer und nachgerüsteter Kraftwerke für eine Treibhausgas-effizientere Stromversorgung der Schweiz. Ein neues Kernkraftwerk der dritten Generation mit einer Leistung von 1600 MW könnte im Jahr 2030 den Treibhausgasausstoss um rund 2,8 Mio. t reduzieren. Dies bedeutet eine Ersparnis von EUR 50 (CHF 74) pro eingesparte t CO2-Äquivalente.
Quelle
M.R. nach McKinsey & Company, Pressemitteilung, 7. Januar 2009, und Studie «Swiss Greenhouse Gas Abatement Cost Curve», Januar 2009