Kernenergie gehört zu einem ausgewogenen EU-Energiemix

An der 14. Handelsblatt-Jahrestagung «Energiewirtschaft 2007» in Berlin hat Michael Glos, deutscher Bundesminister für Wirtschaft und Technologie, die Leitlinien der gegenwärtigen deutschen EU-Präsidentschaft im Energiebereich erläutert. Dabei warf er die Frage auf, ob Europa tatsächlich seine ehrgeizigen Klimaschutzziele erreichen könne, wenn Länder wie Deutschland der Kernenergie den Rücken zuwenden.

23. Jan. 2007
Michael Glos: «Europa braucht einen breiten und ausgewogenen Energiemix. Dazu gehört auch die Kernenergie.»
Michael Glos: «Europa braucht einen breiten und ausgewogenen Energiemix. Dazu gehört auch die Kernenergie.»
Quelle: BMWi

Um die Abhängigkeiten von einzelnen Energieträgern und Lieferregionen zu vermeiden und Preisrisiken zu reduzieren, brauche Europa einen breiten und ausgewogenen Energiemix, forderte Michael Glos in seinem Vortrag über die europäischen Energieperspektiven. «Es ist kein Geheimnis, dass die Kernenergie für mich zum Energiemix dazugehört», erklärte er. «Für mich ist sie eine wichtige Übergangstechnologie».

Laut Glos ist die Nutzung der Kernenergie solange nötig, bis die erneuerbaren Energien im grossen Umfang wettbewerbsfähig sind und neue Technologien ihre Marktreife erlangt haben. Er sieht sich dabei durch die Analyse der EU-Kommission bestätigt, die Anfang Januar 2007 eine neue energiepolitische Strategie und eine Forschungsstudie zum Energieverbrauch 2050 vorgestellt hatte.

Trotz Koalitionsvertrag: offene Fragen angehen

«Sie alle kennen den Koalitionsvertrag», rief Glos die aktuelle politische Lage in Erinnerung. Deutschland komme aber nicht darum herum, Antworten auf folgende zwei Fragen zu finden:

  • «Wird Europa tatsächlich seine ehrgeizigen Klimaschutzziele erreichen können, wenn Länder wie Deutschland der Kernenergie den Rücken zuwenden?»
  • «Welche Auswirkungen hätte dies auf die Sicherheit unserer Energieversorgung und die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie?»

EU-Energieaussenpolitik

Glos rief die EU auf, in der Energieaussenpolitik mit einer Stimme zu sprechen, um die Beziehungen zu den wichtigen Produzentenländern zu verbessern. Für eine ausreichende Diversifikation von Energieträgern, Versorgungswegen und Anbietern spiele der Ausbau der internationalen Zusammenarbeit im Energiesektor eine Schlüsselrolle, meinte er weiter.

Abgestimmtes Handeln der EU-Länder

Am zweiten Tag der Handelsblatt-Jahrestagung sprach sich EU-Energiekommissar Andris Piebalgs für einen europaweiten Energiemarkt und ein abgestimmtes Handeln der EU-Mitgliedstaaten aus. Um Europas Abhängigkeit von einigen wenigen Energielieferanten zu minimieren und gleichzeitig eine Politik der Energieeffizienz zu betreiben, sei eine gemeinsame Energieaussenpolitik der EU unabdingbar. Damit wiederholte er die Forderung Glos vom Vortag. Auch Piebalgs verwies auf die Anfang Januar 2007 von der Europäischen Kommission präsentierte Energie-Strategie.

Andris Piebalgs: «Die Kernenergie ist die wichtigste Energiequelle mit CO[sub]2[/sub]-armen Emissionen in der EU.»
Andris Piebalgs: «Die Kernenergie ist die wichtigste Energiequelle mit CO[sub]2[/sub]-armen Emissionen in der EU.»
Quelle: Europäische Gemeinschaft, 2007

Nutzung der Kernenergie in der EU

Zur Frage der Nutzung von Kernenergie betonte der Kommissar, jeder Mitgliedstaat müsse selbst entscheiden, inwieweit er diese Energieform nutzen wolle oder nicht. Damit verbunden ist jedoch die Forderung: «Sollte der Anteil des aus Kernenergie gewonnenen Stroms in der EU zurückgehen, muss dies durch die Nutzung anderer kohlenstoffarmer Energieträger kompensiert werden.» In jenen Mitgliedstaaten, die sich für die Kernkraft entscheiden, solle die EU den Rechtsrahmen für die Nutzung der Kernenergie weiterentwickeln.

Quelle

M.A. nach Michael Glos, Redetext, 23. Januar 2007, EU, Pressemitteilung, und Andris Piebalgs, Redetext, 24. Januar 2007

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