McKinsey: Weltweiter Aufschwung der Kernenergie gewinnt an Dynamik
Der weltweite Ausbau der Kernenergie nimmt Fahrt auf. Haupttreiber sind der stark steigende Strombedarf durch künstliche Intelligenz und Elektrifizierung, Klimaziele sowie das wachsende Interesse an Versorgungssicherheit. Zu diesem Schluss kommt eine neue Analyse des McKinsey Global Institute.

Laut des McKinsey-Reports «Nuclear power: A renaissance in the making» könnte sich die weltweit installierte Kernenergieleistung bis 2050 mindestens verdoppeln, in einigen Szenarien sogar verdreifachen. Besonders dynamisch entwickelt sich der Ausbau in Asien und im Nahen Osten, während viele Industrieländer die Laufzeiten bestehender Anlagen verlängern.
Der Report zeigt, dass die Wirtschaftlichkeit neuer Kernkraftwerke entscheidend von der Bauweise abhängt. Länder wie Südkorea und China erreichen vergleichsweise niedrige Kosten durch standardisierte Reaktorauslegungen, den Bau mehrerer identischer Anlagen sowie eingespielte Lieferketten und Projektteams. China könnte laut McKinsey bereits bis 2035 die USA als weltweit grössten Produzenten von Kernenergie ablösen.
Als grösste Kostentreiber identifiziert die Analyse lange Bauzeiten, Projektänderungen während der Bauphase und komplexe Bewilligungsverfahren. Um neue Kernkraftwerke wirtschaftlicher zu machen, empfiehlt McKinsey unter anderem standardisierte Reaktoren, frühzeitig abgeschlossene Bewilligungsverfahren, stabile politische Rahmenbedingungen und verlässliche Finanzierungsmodelle.
Auch kleine, modulare Reaktoren (SMRs) könnten die Branche verändern. Dank serienmässiger Fertigung und modularer Bauweise könnten sie Bauzeiten verkürzen und neue Einsatzmöglichkeiten etwa für Industrieanlagen oder Rechenzentren schaffen.
Neben den wirtschaftlichen Aspekten gewinnt laut McKinsey auch die Versorgungssicherheit an Bedeutung. Kernkraftwerke liefern rund um die Uhr CO₂-arme Elektrizität und sind weniger von Preisschwankungen fossiler Energieträger abhängig. Das weltweite Potenzial sei vorhanden – nun komme es darauf an, Projekte effizient umzusetzen, wettbewerbsfähige Lieferketten aufzubauen und das Vertrauen von Investoren sowie der Öffentlichkeit zu gewinnen.
Quelle
S.D. nach McKinsey Global Institute, Nuclear power: A renaissance in the making, 30. Juni 2026.