Niederlande: zwei neue Einheiten auf der politischen Agenda

Die niederländische Regierung plant den Bau von zwei neuen Kernkraftwerkseinheiten und will auch prüfen, welche Rolle Reaktoren bei der Produktion von grünem Wasserstoff spielen können, heisst es in einem Entwurf des nationalen Energiesystemplans.

12. Juli 2022
Rob Jetten, Klima- und Energieminister der Niederlande
Im Herbst 2022 wird das niederländische Kabinett den bevorzugten Standort für den Bau von zwei Kernkraftwerkseinheiten bekannt geben, teilte Klima- und Energieminister Rob Jetten der Zweiten Kammer der Generalstaaten des Parlaments Anfang Juli 2022 mit. Über die Finanzierung und die Rolle des Staates sowie das Vergabeverfahren müsse ebenfalls entschieden werden.
Quelle: Rob Jetten, Facebook-Konto

Am 10. Juni 2022 legte Klima- und Energieminister Rob Jetten dem Parlament den Entwurf des nationalen Energiesystemplans vor. Dieser sieht vor, dass die Niederlande bis 2050 klimaneutral wird. Bis 2030 sollen die CO2-Emissionen im Vergleich zu 1990 um mehr als die Hälfte reduziert werden. Dies erfordere eine Energiewende und den Übergang zu einer kohlenstofffreien Energieerzeugung, heisst es im Entwurf.

Laut Entwurf hat sich die Regierung bereits zu einem erheblichen Ausbau der Offshore- und Onshore-Windenergie und zur Umwandlung von Gaskraftwerken in CO2-arme Kraftwerke verpflichtet. Sie unternehme zudem Schritte zum Bau von zwei Kernkraftwerkseinheiten. «Die Frage, wie wir uns auf dieses System zubewegen werden, ist noch weitgehend offen», so der Entwurf. Die Kernenergie könnte zur Diversifizierung beitragen und biete im Gegensatz zu Wind- und Sonnenenergie eine geregelte Grundlastversorgung.

Derzeit wird eine Studie durchgeführt, welche die Verknüpfung zwischen den verschiedenen Arten von CO2-freien Kapazitäten und die Integration der Kernenergie in den niederländischen Strommix untersucht. Die Studie befasst sich zudem mit der Kosteneffizienz der Kernenergie auf Systemebene und den potenziellen Vorteilen in Bezug auf Platzbedarf und Infrastrukturinvestitionen. Auch die Rolle, welche die Kernenergie bei der Herstellung von Wasserstoff spielen kann, soll untersucht werden, heisst es im Entwurf.

Neue Kernkraftwerkseinheiten erst nach 2035
Dem Entwurf zufolge müssen zuerst die Voraussetzungen geschaffen werden, um die Finanzierung der geplanten Blöcke zu sichern. Darauf folgt eine Genehmigungs- und Bauvorbereitungsphase von drei bis fünf Jahren und anschliessend eine Bauphase von zehn bis zwölf Jahren. «Die erste Kernkraftwerkseinheit könne daher erst weit nach 2035 in Betrieb genommen werden.»

Wenn sich die Niederlande für kleine, modulare Reaktoren (SMR) entscheiden sollte, dürfte sich die Vorbereitungszeit verkürzen, aber die Entwicklung der Technologie werde länger dauern als bei herkömmlichen Grossanlagen. Die Inbetriebnahme von SMR wird laut Entwurf ebenfalls nicht vor 2035 erwartet.

Die Koalitionsvereinbarung der Regierung aus dem Jahr 2021 beinhaltet den Bau von zwei Kernkraftwerkseinheiten nach 2030 und die Laufzeitverlängerung des bestehenden Druckwasserreaktorblocks Borssele.

Quelle

M.A. nach NucNet, 15. Juni 2022

Bleiben Sie auf dem Laufenden

Abonnieren Sie unseren Newsletter

Zur Newsletter-Anmeldung

Profitieren Sie als Mitglied

Werden Sie Mitglied im grössten nuklearen Netzwerk der Schweiz!

Vorteile einer Mitgliedschaft