Positionspapier: anfällige Lieferkette für nuklearmedizinische Produkte muss gestärkt werden
Der High Scientific Council (HSC) des Fachverbandes European Nuclear Society (ENS) fordert in seinem Positionspapier eine Stärkung der Lieferkette für medizinische Radionuklide und Radiopharmaka in Europa.

Die Lieferkette für medizinische Radionuklide und Radiopharmaka in Europa ist aufgrund begrenzter Produktionskapazitäten und Herausforderungen bei der Verteilung anfällig. Sie muss gestärkt werden, um ihr volles Potenzial auszuschöpfen. Zu diesem Schluss kommt der High Scientific Council von ENS im zweiten Teil seines Positionspapiers «Unlocking the Potential of Radiopharmaceuticals in Europe».
Der HSC ist ein unabhängiges wissenschaftliches Gremium, das die ENS im Kernenergiebereich berät. Er sieht Europa als führend bei der Entwicklung von Innovationen im Bereich der Radiopharmazeutika, die Krankheiten auf molekularer Ebene bekämpfen. Im Positionspapier gibt er Empfehlungen zur Bewältigung technologischer, logistischer, regulatorischer und sicherheitstechnischer Herausforderungen rund um Radiopharmazeutika.
Eine zentrale Herausforderung ist gemäss HSC die komplexe und daher anfällige Lieferkette für Radionuklide und Radiopharmaka, die auf wenige Produktionsanlagen sowie auf Forschungsreaktoren und Zyklotronen angewiesen ist. Viele dieser Anlagen arbeiten nahe an der Kapazitätsgrenze und sind veraltet. Auch die Europäische Kommission sieht Handlungsbedarf und fordert bis 2030 eine umfassende Modernisierung der Forschungsreaktoren oder deren Ersatz durch Neubauten oder alternative Produktionstechnologien. Zudem erschweren regulatorische und logistische Einschränkungen den grenzüberschreitenden Transport von nuklearmedizinischen Produkten, was selbst bei ausreichender Produktionskapazität zu Engpässen und einer ungleichen Versorgung in Europa führen kann.
Um eine resiliente und zuverlässige Lieferkette sicherzustellen, empfiehlt der HSC Massnahmen auf europäischer und globaler Ebene, insbesondere die Diversifizierung der Produktionswege, Investitionen in neue Infrastruktur sowie eine engere Zusammenarbeit zwischen öffentlichen und privaten Akteuren. Auf europäischer Ebene müssten bestehende Initiativen wie der Samira Action Plan gestärkt und regulatorische Rahmenbedingungen so weiterentwickelt werden, dass sowohl zentralisierte industrielle als auch dezentrale, spitalbasierte Produktionsmodelle besser berücksichtigt werden.
Quelle
B.G. nach NucNet, 27. April 2026
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