Russland: Kernkraftwerk Bilibino hat Stromerzeugung vollständig eingestellt
Das Kernkraftwerk Bilibino hat am 22. Dezember 2025 nach rund 50 Betriebsjahren endgültig die Stromerzeugung eingestellt. Die Anlage befindet sich in der Region Tschukotka im Nordosten Russlands und ist das weltweit am nördlichsten gelegene, landbasierte kommerzielle Kernkraftwerk.

In der Goldgräberstadt Bilibino in Ostsibirien (1000 km westlich der Beringstrasse und 160 km nördlich des Polarkreises) gingen zwischen 1974 und 1976 vier wassergekühlte, graphitmoderierte Kernkraftwerksblöcke des Typs EGP-6 mit je 11 MW Nettoleistung in Betrieb. Bilibino-1 wurde bereits 2018 vom Stromnetz getrennt. Die drei verbleibenden Blöcke wurden nun ebenfalls endgültig abgeschaltet: Bilibino-2 am 1. Dezember, Bilibino-3 am 11. Dezember und Bilibino-4 am 22. Dezember 2025.
Während seiner rund fünfzigjährigen Betriebszeit speiste das Kernkraftwerk insgesamt 11,6 Mrd. kWh Strom in das regionale Stromnetz ein. Mit dem Ende des Leistungsbetriebs geht die Anlage in den Betrieb ohne Stromerzeugung über und wird auf die Stilllegung vorbereitet.
Kernkraftwerksschiff Akademik Lomonossow hilft bei Stromversorgung
Die Stromversorgung der Stadt Bilibino sowie des Kraftwerksstandorts wird künftig unter anderem durch das schwimmende Kernkraftwerk Akademik Lomonossow sichergestellt, das im rund 240 Kilometer Luftlinie entfernten Hafen der Stadt Pewek betrieben wird. Ergänzend wurden in den vergangenen Jahren Ersatz- und Reserveanlagen errichtet, darunter Dieselgeneratoren und Anlagen zur Wärmeversorgung.
In den kommenden eineinhalb bis zwei Jahren sollen die verbrauchten Brennelemente aus den Bilibino-Reaktoren entladen und zuerst in standorteigene Abklingbecken überführt werden. Anschliessend ist während rund 20 Jahren der Abtransport vorgesehen. Dieser soll sowohl auf dem Landweg als auch per Seetransport (von Kap Nagleinyn aus) nach Majak erfolgen. Nach Abschluss dieser Arbeiten wird das Kernkraftwerk voraussichtlich 2047 die Genehmigung der Aufsichtsbehörde Rostechnadsor für den eigentlichen Rückbau erhalten. Die Demontage, Zerlegung und Dekontamination von Anlagenteilen sind für den Zeitraum 2048 bis 2053 vorgesehen, wozu das Hauptgebäude umgenutzt wird. Die Sanierung des Standorts erfolgt nach 2054.
Quelle
B.G. nach Strana Rosatom, Artikel, 1. Dezember 2025, sowie Rosenergoatom, Medienmitteilung, 3. Dezember 2025