Serbien konkretisiert Einstieg in die Kernenergie

Ende November 2024 hat Serbien das Bauverbot für Kernkraftwerke aufgehoben. Seitdem werden die Vorbereitungen für einen Einstieg in die Kernenergie vorangetrieben. Die erste Phase des nationalen Kernenergieprogramms soll bis Mitte 2027 abgeschlossen sein. Bis 2035 soll mit dem Bau des ersten Kernkraftwerks begonnen werden.

29. Juli 2026
Die serbische Energie- und Bergbauministerin Dubravka Đedović Handanović
Die serbische Energie- und Bergbauministerin Dubravka Đedović Handanović bei einem nationalen Workshop zum Aufbau des serbischen Kernenergieprogramms, der vom 13. bis 16. Juli 2026 in Belgrad mit Unterstützung der IAEO stattfand.
Quelle: Serbisches Ministerium für Bergbau und Energie via Instagram

Der französische Energiekonzern Électricité de France (EDF) hat von November 2024 bis Juni 2025 in einer Vorstudie eine Roadmap für das serbische Kernenergieprogramm entwickelt. Darin wurden mögliche Reaktortechnologien verglichen und deren Einbindung in das Stromnetz analysiert. Darauf aufbauend hat das serbische Ministerium für Bergbau und Energie nun die Fragestellungen für 18 weitere Studien festgelegt. Die Studien befassen sich unter anderem mit dem gesetzlichen und regulatorischen Rahmen, dem Umweltschutz, dem Aufbau personeller Kapazitäten und den Lieferketten. Grundlage ist der sogenannte Meilenstein-Ansatz der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO), der Länder schrittweise beim Aufbau der notwendigen Infrastruktur für ein Kernenergieprogramm unterstützt. Vier der Studien soll EDF erstellen. Für die übrigen 14 Studien prüft Serbien die Zusammenarbeit mit weiteren international erfahrenen Unternehmen.

«Unser Ziel ist es, die erste Phase bis Mitte nächsten Jahres abzuschliessen. Dann werden wir über alle Informationen verfügen, die für eine fundierte Entscheidung über die weitere Entwicklung des Kernenergieprogramms erforderlich sind», erklärte Energie- und Bergbauministerin Dubravka Đedović Handanović. Bis 2032 solle Serbien institutionell, regulatorisch und fachlich für die Auswahl einer Technologie bereit sein. Mit dem Bau des ersten Kernkraftwerks soll bis 2035 begonnen werden.

Die serbische Regierung sieht in der Kernenergie eine mögliche Antwort auf den steigenden Strombedarf sowie auf die Anforderungen an Versorgungssicherheit und Klimaschutz. Die Ministerin erachtet den Aufbau eigener Fachkompetenzen als zentrale Voraussetzung und begrüsste die geplante Einführung eines Masterstudiengangs für künftige Nuklearingenieure. «Ohne einheimische Fachkräfte gibt es kein erfolgreiches Kernenergieprogramm», sagte Đedović Handanović. Sie bezeichnete die Entwicklung des Programms als «eine Chance für eine Generation, die wir nicht verpassen dürfen». Länder mit Kernenergieprogrammen hätten auch in den damit verbundenen technischen und wirtschaftlichen Bereichen Fortschritte erzielt.

Quelle

B.G. nach serbischem Ministerium für Bergbau und Energie, Medienmitteilung, 13. Juli 2026

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