Technologie nicht die grösste Herausforderung für nuklear betriebene Schiffe
Die grössten Hürden für eine nuklear betriebene Handelsflotte liegen heute nicht mehr in der Reaktorauslegung, sondern in Fragen der Regulierung, Haftung und des Hafenzugangs. Zu diesem Schluss kommt ein Bericht der Norges teknisk-naturvitenskapelige universitet (NTNU).

Die technische Machbarkeit nuklearer Schiffsantriebe ist mit laufenden Pilotprojekten in Norwegen gegeben. Jan Emblemsvåg, Professor am Institut für Meeresoperationen und Bauingenieurwesen der NTNU im norwegischen Ålesund, erklärte, dass der Fokus nun auf der Umsetzung liege. Projekte wie NuProShip II, das vom norwegischen Forschungsrat finanziert wird, zeigten laut Emblemsvåg, dass nuklear angetriebene Schiffe technisch realisierbar seien. Auch andere Länder – darunter die USA – prüfen derzeit den Einsatz kleiner, modularer Reaktoren (SMRs) auf Schiffen.
Emblemsvåg sagte weiter, dass auch die Wirtschaftlichkeit nuklear betriebener Schiffe neu bewertet werde. Erste Analysen deuteten darauf hin, dass solche Schiffe unter bestimmten Bedingungen mit fossil betriebenen Schiffen konkurrenzfähig werden könnten – insbesondere bei einer Skalierung der Produktion. Dennoch bleibe die Regulierung die zentrale Herausforderung. «Die grössten Herausforderungen liegen heute ausserhalb des Ingenieurwesens. Nuklear betriebene Handelsschiffe passen in keinen einheitlichen Regulierungsrahmen. Sie bewegen sich zwischen Seerecht, Nuklearregulierung und internationalen Abkommen», sagte er. Zwar hätten die Internationale Seeschifffahrtsorganisation (IMO) sowie Branchenorganisationen wie Lloyd’s Register, DNV und ABS bereits mit entsprechenden Arbeiten begonnen, doch «vollständige regulatorische Rahmenwerke können Jahrzehnte in Anspruch nehmen».
Warten auf einen globalen Regulierungsrahmen
Die Erfahrungen aus dem Projekt NuProShip II hätten gezeigt, dass klarere Regeln, mehr industrielle Erfahrung und eine breitere gesellschaftliche Akzeptanz notwendig seien.
Ein möglicher Ansatz bestehe darin, dass einzelne Staaten Vereinbarungen über Hafenzugang, Haftung und Versicherungsfragen treffen. Dadurch könnten erste Projekte vorangetrieben werden, noch bevor ein globaler Regulierungsrahmen geschaffen sei.
«Die nächste Phase wird weniger von technischen Fortschritten abhängen als vielmehr davon, wie Regelwerke für Betrieb, Haftung und Akzeptanz entwickelt werden», sagte Emblemsvåg. «Wenn sich diese parallel entwickeln, könnte nuklearer Schiffsantrieb in bestimmten Bereichen der Schifffahrt zu einer realistischen Option werden – speziell dort, wo Alternativen begrenzt sind.»
Diese und weitere Themen sollen am 9. Juni an der internationalen Konferenz «Nuclear Propulsion for Shipping» in Ålesund, Norwegen, diskutiert werden. Dort treffen Vertreter aus Industrie, Behörden und Forschung zusammen. Der weltweite Schiffsverkehr deckt heute rund 99% seines Energiebedarfs mit fossilen Brennstoffen. Die IMO verfolgt jedoch das Ziel, die Treibhausgasemissionen der internationalen Schifffahrt bis etwa 2050 auf Netto-Null zu senken.
Quelle
M.R. nach NucNet, 27. Mai 2026
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