US-Energieminister für weltweite Nutzung der Kernenergie

«Die amerikanische Regierung ist der Überzeugung, dass die Kernenergie künftig eine wichtigere Rolle spielen wird und spielen muss, damit die weltweite Nachfrage nach sauberer, kostengünstiger, sicherer und zuverlässiger Energie gedeckt werden kann.»

6. Nov. 2005

Dies erklärte der amerikanische Energieminister Samuel W. Bodman am 7. November 2005 an der «Carnegie International Nonproliferation Conference» in Washington DC
Als Ausgangspunkt seiner Ausführungen verwies Bodman auf den Umstand, dass in den kommenden Jahrzehnten die globale Energienachfrage stark ansteigen wird, insbesondere in den wirtschaftlich schnell wachsenden Schwellenländern. Vor diesem Hintergrund richte sich der Blick immer stärker auf die Kernenergie, da sie nicht nur sicher sei, sondern auch die billigste und effizienteste Methode, um grosse Mengen an Energie bereitzustellen. Die grosse Herausforderung bestehe darin, künftig eine grössere Zahl von Ländern am Nutzen der Kernenergie teilhaben zu lassen, und gleichzeitig das internationale Nonproliferations-Regime zu stärken, damit die Kernenergie nicht als Deckmantel für ein geheimes Nuklearwaffenprogramm missbraucht werden könne.

Abtrennung von Plutonium vermeiden

Für die Politik der USA zieht Bodman daraus zwei Schlüsse: Sein Land müsse sich einerseits wieder klar zur Entwicklung von nuklearen Technologien und Systemen bekennen, und andererseits die Arbeit internationaler Foren wie der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) unterstützen und die Führung bei der Verstärkung von Massnahmen zur Nonproliferation übernehmen. Leitgedanke der amerikanischen Politik sei es, Kernbrennstoffkreisläufe zu entwickeln und als weltweite Norm durchzusetzen, bei denen - anders als bei der heutigen Wiederaufarbeitung - kein separiertes Plutonium entstehe.
In diesem Zusammenhang verwies Bodman auf die Aufforderung von Präsident George W. Bush an die Länder mit entwickelter Nukleartechnik, den Nutzen der Kernenergie jenen Staaten zukommen zu lassen, die auf eigene Anreicherungs- und Wiederaufarbeitungsanlagen verzichten, und keine Anreicherungs- und Wiederaufarbeitungstechnologien in Länder zu verkaufen, die nicht bereits solche Anlagen betreiben (gemäss Atomwaffensperrvertrag ist es heute jedem Land freigestellt, Anreicherungs- und Wiederaufarbeitungsanlagen zu bauen und zu betreiben, sofern dies unter Aufsicht der IAEO erfolgt).

Liefergarantien als Anreiz für Verzicht

den Worten Bodmans prüfen die USA Lösungen, bei denen die abgebrannten Brennelemente dem Lieferanten zurückgegeben werden. Auf lange Sicht könnten die Lieferländer umfassende Dienstleistungen «von der Wiege bis zur Bahre» anbieten. Dabei würden die Lieferländer jenen Staaten, die auf Anreicherung und Wiederaufarbeitung verzichten, den Kernbrennstoff im Leasing-Verfahren für die Energieproduktion zur Verfügung stellen und die abgebrannten Brennelemente zur Wiederaufarbeitung oder Entsorgung zurücknehmen.
Bodman räumte ein, dass eine solche Politik voraussetzt, dass ein zuverlässiger Mechanismus gefunden wird, der die Belieferung der Empfängerländer mit Kernbrennstoff auch bei möglichen künftigen Marktstörungen sicherstellt. Um das Vertrauen in Lieferzusagen zu stärken und zusätzliche Anreize für den Verzicht auf einen eigenen Kernbrennstoffkreislauf zu schaffen, plane er, bis zu 17 t hoch angereichertes Uran als Lieferreserve bereitzustellen. Abgereichert unter lAEO-Aufsicht ergebe dies rund 290 t Brennstoff, genug für zehn Reaktorladungen. Bodman rief bei dieser Gelegenheit weitere Länder dazu auf, ähnliche Reserven anzulegen.
Das Leasing-Verfahren haben die USA auch früher schon angewendet. Offen ist, ob solche Lösungen für die Endkunden aus wirtschaftlicher Sicht interessant sind.

Quelle

M.S. nach US DOE, Redetext, 7. November 2005

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