Vereinbarung stärkt Italiens Lieferkette für Nukleartechnik
Ansaldo Energia und Rina wollen zusätzliche Unternehmen für den Nuklearmarkt qualifizieren. Vor dem Hintergrund der weltweit wachsenden Bedeutung der Kernenergie soll die industrielle Basis Italiens für nationale und internationale Nuklearprojekte gestärkt werden.

Ansaldo Energia und der italienische Prüf-, Zertifizierungs- und Ingenieurdienstleister Rina haben eine Vereinbarung unterzeichnet, um weitere Unternehmen für den Nuklearmarkt zu qualifizieren und die italienische Lieferkette für Nukleartechnik auszubauen. Angesprochen sind Unternehmen, die bisher nicht im Nuklearsektor tätig sind, deren industrielle Kompetenzen sich aber auf die Nukleartechnik übertragen und dort nutzen lassen. In einem strukturierten Prozess sollen sie die erforderlichen Qualifikationen und Zertifizierungen für den Zugang zum Nuklearmarkt erwerben. Rina begleitet die Unternehmen bei Vorprüfungen, Lückenanalysen gegenüber internationalen Standards sowie bei Zertifizierung und Qualifizierung. Ansaldo Energia bringt seine Branchenerfahrung ein, vermittelt die Anforderungen des Marktes und unterstützt Initiativen, mit denen Institutionen und öffentliche Förderinstrumente die Zertifizierungsprozesse finanziell fördern können.
Italien leitete nach dem Reaktorunfall von Tschernobyl den Ausstieg aus der Kernenergie zur Stromerzeugung ein. Nach einer Volksabstimmung von 1987 gingen die letzten Kernkraftwerke 1990 vom Netz. Ein geplanter Wiedereinstieg wurde 2011 in einem weiteren Referendum abgelehnt. Aus Gründen der Energiesicherheit und der Dekarbonisierung prüft die italienische Regierung von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni seit Mai 2023 einen Wiedereinstieg. Gemäss dem italienischen Energie- und Klimaplan Pniec könnte fortgeschrittene Kernenergie einschliesslich Fusion bis 2050 mindestens 11% des italienischen Strombedarfs decken; unter bestimmten Voraussetzungen wären bis zu 22% möglich. Derzeit bereitet die Regierung einen Rechtsrahmen für neue Nukleartechnologien vor: Die Abgeordnetenkammer Camera dei deputati billigte den Gesetzesentwurf dazu am 4. Juni 2026. Seither wird er im Senat beraten.
Quelle
B.G. nach NucNet, 28. Juli 2026
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