30.11.1999

Erste Bilanz der Auswirkungen von "Tokai-mura"

Ein Expertenteam der Internationalen Atomenergie-Organisation IAEO bezeichnet das Kritikalitätsereignis von Ende September 1999 im japanischen Tokai-mura als "Strahlenunfall", das nicht zu einer radiologisch signifikanten Freisetzung von Radioaktivität in die Umwelt führte.

Das dreiköpfige Team hat die betroffene Urankonversions-Versuchsanlage der Japan Nuclear Fuels Conversion Company (JCO) Mitte Oktober besucht und einen Bericht über seine Mission veröffentlicht. Der Bericht stellt einerseits den schon mehrheitlich bekannten Ereignisablauf nochmals im Detail dar und enthält andererseits neue Erkenntnisse zur Strahlendosis der betroffenen Mitarbeiter und zur Freisetzung von Radionukliden.
Die Dosiswerte sind vorläufige Schätzungen und in unterschiedlichen Einheiten angegeben. Teilweise wird die ungewohnte Einheit Gray-Equivalent (GyEq) verwendet. Sie kann nach Auskunft des Bundesamtes für Gesundheit wahrscheinlich mit Sievert gleichgesetzt werden. Die drei unmittelbar am Unfall beteiligten Mitarbeiter erhielten demnach Dosen von 10-20 GyEq, 6-10 GyEq und 1,2-5,5 GyEq. Drei Angestellte des Notfalldienstes, die diese drei Schwerverletzten ins Spital brachten, erhielten Dosen zwischen 0,5 und 4,1 Milligray (mGy). Weitere 56 Arbeiter, die zur Zeit des Unfalls auf dem Gelände anwesend waren, erhielten 0,1-23 mGy. Sieben Arbeiter, die ein Gerüst auf einer Baustelle gleich neben der westlichen Anlagengrenze montierten, wurden mit 0,4 bis 9,1 mGy belastet.
Insgesamt waren 27 Mitarbeiter der Firma JCO an den Aktionen zur Beendigung der Kritikalität beteiligt und wissentlich erhöhter Strahlung ausgesetzt. Von diesen waren 21 damit beschäftigt, in Kurzzeiteinsätzen das Kühlwasser aus dem Kühlmantel des vom Unfall betroffenen Tanks abzulassen. Sie erhielten Dosen zwischen 0,05 und 120 Millisievert (mSv). Sechs Mitarbeiter leiteten Neutronen schluckende Borsäure in den Tank - sie erhielten zwischen 0,03 und 0,61 mSv. In Japan beträgt die für beruflich Strahlenexponierte zulässige Jahresdosis 50 mSv.
Rund um die Konversionsanlage wurden in der Luft die Aktivierungs- und Spaltprodukte [sup]24[/sup]Na, [sup]56[/sup]Mn, [sup]91[/sup]Sr, [sup]131[/sup]I, [sup]133[/sup]I, [sup]135[/sup]I und [sup]138[/sup]Cs gemessen, jedoch deutlich unterhalb der entsprechenden Konzentrationsgrenzwerte. In einem 10-Kilometer-Umkreis wurde weder in Meer- noch in See- oder Regenwasser, in Wasser aus Reservoirs oder in der Trinkwasserversorgung Radioaktivität gefunden, die mit dem Kritikalitätsereignis zusammenhängt. Dasselbe gilt für landwirtschaftliche Produkte wie Milch, Eier, Rind- und Schweinefleisch sowie für Algen- und Fischprodukte aus der Ibaraki-Präfektur, in der Tokai-mura liegt. In Bodenproben wurden [sup]24[/sup]Na und [sup]56[/sup]Mn, deren Halbwertszeiten wenige Stunden betragen, in extrem tiefen Konzentrationen gemessen. Von 138 Proben, die im Umkreis von 10 km genommen wurden, konnte nur in einer [sup]131[/sup]I und [sup]133[/sup]I nachgewiesen werden - in radiologisch unbedeutender Konzentration. In 15 von 115 Gemüseproben, die innerhalb dieses Radius um die Anlage genommen wurden, konnte radioaktives Iod nachgewiesen werden. Die höchste [sup]131[/sup]I-Konzentration betrug 0,037 Bq/g, deutlich unter dem japanischen Interventions-Grenzwert, der für Gemüse 2 Bq/g beträgt.

Quelle: 
M.S.