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04.01.2012

Frankreich: Überprüfung aller Kernkraftwerke der 900-MW- und 1300-MW-Leistungsklasse

Nachdem die Electricité de France (EDF) anlässlich der dritten 10-Jahres-Inspektion der Kernkraftwerkseinheit Gravelines-1 Risse in einer Instrumentierungsdurchführung in der Bodenkalotte des Reaktordruckgefässes entdeckt hat, verlangt die französische Autorité de Sureté Nucléaire (ASN), diese Durchführungen an allen Kernkraftwerkseinheiten der 900-MW- und 1300-MW-Baureihe zu kontrollieren.

Im Rahmen eines nationalen Überprüfungsprogramms anlässlich der dritten 10-Jahres-Inspektion bestimmter Druckwassereinheiten entdeckte die EDF kleine Risse an der Einschweissstelle von einer der 50 Durchführungen, die es erlauben, Instrumente von unten her in den Reaktorkern einzuführen. Das Überprüfungsprogramm war nötig geworden, nachdem die EDF Risse in anderen Komponenten mit der gleichen Materialzusammensetzung wie bei den Durchführungen gefunden hatte. Laut ASN ist es das erste Mal, dass ein solcher Schaden an einer Bodenkalotten-Durchführung in Frankreich entdeckt worden ist. 2003 hatte die Betreiberin der Kernkraftwerkseinheit South-Texas in den USA ähnliche Materialfehler im unteren Teil des Reaktordruckbehälters von Block 1 beobachtet.

Gegenwärtig prüft die ASN den Vorschlag der EDF, die betreffende Instrumentierungsdurchführung ausser Betrieb zu nehmen. Gravelines-1 bleibt vom Netz, bis die Reparatur erfolgt ist. Die Kernkraftwerkseinheit hat zurzeit keine Brennelemente geladen, schreibt die ASN. Es bestehe kein Sicherheitsrisiko. Die ASN verlangt jetzt von der EDF, die Instrumentierungsdurchführungen sämtlicher Kernkraftwerkseinheiten der 900-MW- und 1300-MW-Baureihe zu kontrollieren.

Quelle: 
M.A. nach ASN, Medienmitteilung, 20. Dezember 2011