12.06.2018

IPPAS-Folgemission in der Schweiz

Das nukleare Sicherungsregime in der Schweiz ist gut etabliert. Zu diesem Schluss kommt eine Expertengruppe des International Physical Protection Advisory Service (IPPAS) der internationalen Atomenergieorganisation (IAEO) am Ende ihrer zweiwöchigen Mission. Sie hat 13 bewährte Praktiken, 9 Empfehlungen und 37 Anregungen identifiziert.

Die IPPAS-Mission hat in der Schweiz das staatliche System der nuklearen Sicherung, die Sicherung von Kernanlagen, die Sicherung beim Transport von nuklearen Gütern und die IT-Sicherheit von Kernanlagen begutachtet.Das achtköpfige IPPAS-Team traf sich in Brugg und Bern mit Vertretern des Ensi, des Bundesamtes für Energie (BFE), des Eidgenössischen Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek), des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA), der Melde- und Analysestelle Informationssicherung (Melani), des Bundesamtes für Polizei (fedpol) und des Nachrichtendienstes des Bundes (NDB). Es fanden Gespräche mit Vertretern des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz (Babs), der Kantonspolizei und des Zentralen Zwischenlagers Zwilag statt. Darüber hinaus hat das Team auch drei der vier Schweizer Kernkraftwerke besucht und sich vor Ort ein Bild über die Umsetzung der Sicherungsmassnahmen gemacht.

«Das grundlegende Ziel der nuklearen Sicherheit und Sicherung ist es, Mensch und Umwelt vor den schädlichen Auswirkungen ionisierender Strahlung zu schützen. Die Schweiz unterstützt internationale Peer-Reviews als wirksames Mittel zur kontinuierlichen Verbesserung», erklärte Hans Wanner, Direktor des Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorats (Ensi). «Wir schätzten den Erfahrungsaustausch mit dem Expertenteam und werden die Empfehlungen analysieren und umsetzen.»
 

Sicherheit und Sicherung von Kernanlagen

Die grundlegenden Schutzziele der nuklearen Sicherheit («safet») sind die Kontrolle der Reaktivität, die Kühlung der Brennelemente, der Einschluss radioaktiver Stoffe sowie – übergeordnet – die Begrenzung der Strahlenexposition. Bei der Sicherung («security») bezieht sich der Schutz einer Kernanlage auf den Schutz vor unbefugten Einwirkungen wie Sabotage oder Terrorismus. Zudem wirken die Sicherungsmassnahmen gegen die Entwendung von Kernmaterialien. Sowohl Sicherung wie auch Sicherheit beruhen auf baulichen, technischen, organisatorischen, personellen und administrativen Massnahmen.

Klare Vorgaben für die IT-Sicherheit

Die IPPAS-Mission empfiehlt unter anderem, dass das Ensi regulatorische Anforderungen an die IT-Sicherheit von Kernanlagen vervollständigt. Diese Vorgaben sollen wirksam, messbar und auf die Bedrohung abgestimmt sein. Der Ensi-Rat hat die Sicherung und explizit auch die IT-Sicherheit bereits als strategischen Schwerpunkt in seinem Leistungsauftrag 2016–2019 festgelegt.

Weitere Empfehlungen betreffen unter anderem die Entwicklung eines Verfahrens zur Ermittlung unzulässiger radiologischer Folgen eines Sabotageaktes, die Schnittstellen zwischen nuklearer Sicherung und Safeguards, sowie die Nutzung der Auslegungsbedrohung zur Definition realistischer Sabotage-Szenarien.

Gutes Prinzip der stetigen Nachrüstung

Lob erhielt die Schweiz dafür, dass das Prinzip der stetigen Nachrüstung in der Gesetzgebung verankert ist. Dies trage dazu bei, dass die einzelnen Elemente des Sicherheits- und Sicherungsregimes während der ganzen Betriebsdauer gestärkt würden. Auch das Funksystem Polycom wurde als bewährte Praktik beurteilt. Dieses ermögliche es allen staatlichen Sicherheitsorganisationen wie Polizei, Feuerwehr und Armee, verschlüsselt miteinander zu kommunizieren und Einsätze gut zu koordinieren.

IPPAS-Missionen

Während es bei IRRS-Missionen um die nukleare Sicherheit geht, beschäftigen sich IPPAS-Missionen mit der nuklearen Sicherung. Dabei geben erfahrene ausländische Experten eine Aussensicht auf die rechtlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen in der Schweiz. Zu solchen Überprüfungen durch die IAEO ist das Ensi gesetzlich verpflichtet.

Die Mission in der Schweiz 2018 war die 84. IPPAS-Mission der IAEO seit Beginn des Programms im Jahr 1995. 2005 fand letztmals eine IPPAS-Mission in der Schweiz statt.

Quelle: 
M.A. nach Ensi und IAEO, Medienmitteilungen, 8. Juni 2018