18.10.2007

Kashiwazaki-Kariwa: umfassende Überprüfung im Gang

Die umfassende Überprüfung aller Anlagen und Systeme im japanischen Kernkraftwerk Kashiwazaki-Kariwa nach dem Starkbeben vom 16. Juli 2007 schreitet entsprechend der Planung voran, die zwischen der Betreiberin – der Tokyo Electric Power Company (Tepco) – und der Sicherheitsbehörde – der Nuclear and Industrial Safety Agency (Nisa) – vereinbart worden ist. Grössere Schäden sind bisher nicht entdeckt worden, wie die Tepco in ihren periodischen Zwischenberichten feststellen darf. Mit der Wiederinbetriebnahme ist erst 2008 zu rechnen.

Das Niigata-Chuetsu-oki-Erdbeben beanspruchte die sieben 10-22 Jahre alten Siedewassereinheiten der Tepco weit über die Auslegungsgrenzen hinaus. Trotzdem war die Sicherheit jederzeit gewährleistet, wie ein Expertenteam der Internationalen Atomenergie-Organisation nach einem Besuch vor Ort bestätigen konnte. Doch die Wiederinbetriebnahme kommt erst nach einer umfassenden Überprüfung aller Systeme und Einrichtungen in Frage. Sie erfolgt gemäss der Planung, welche die Tepco nach Vorgaben der Nisa ausgearbeitet hat. Inspektoren der Nisa überwachen die Prüfarbeiten vor Ort. Sie laufen in mehreren Phasen ab. Die Behebung der entdeckten Schäden erfolgt wenn möglich sofort.

Keine grösseren Schäden entdeckt

Im Prüfprogramm geniessen die Reaktoreinheiten 1 und 7 Priorität. Bei der Einheit 1 sind die Phasen I und II der Druckgefässprüfung abgeschlossen. Demnach sind die Reaktoreinbauten einschliesslich Kernmantel, die Flanschen und die Dampftrocknung schadenfrei. Bei der Einheit 7 haben diese Prüfarbeiten begonnen. Die Phase III der Druckgefässprüfung - die visuelle Inspektion des Bodens - ist an der Einheit 1 für November geplant. An allen Einheiten bereits fertig geprüft sind die Portalkräne in den Reaktorgebäuden, die Abgasstrecken und die Leistungstransformatoren. Zwei dieser Transformatoren musste die Tepco für Reparaturen ins Herstellerwerk zurücktransportieren.

Neben den bereits gemeldeten Schäden hat die Tepco inzwischen unter anderem durchgehende Risse in der Abluftleitung der Einheit 1, Kratzer im Brennstofflagerbecken der Einheit 7 sowie Betonschäden in den Vorfluterkanälen der Einheiten 6 und 7 gemeldet. Hinzu kommen annähernd 3000 Anomalien. Grössere Schäden hingegen wurden bisher keine gefunden, auch nicht an Brennelementen und den bereits geprüften Druckgefässteilen.

Die Überprüfung wird sich bis ins erste Quartal 2008 erstrecken. Wenn weiterhin keine grösseren Schäden festgestellt werden und sobald die Reparaturen abgeschlossen sind, kann die Tepco bei der Nisa Block um Block das Freigabegesuch zur Wiederinbetriebnahme einreichen.

Weitergreifende geologische und seismische Untersuchungen

Die japanischen Behörden hatten bereits 2006 - also noch vor dem Niigata-Chuetsu-oki-Erdbeben - eine Überprüfung der Erdbebensicherheit aller Kernanlagen verlangt. Nach dem 16. Juli 2007 erhielt dieses Programm erste Priorität. Die Tepco beschloss zudem, ingenieurtechnisch zu analysieren, wie sich Bodenbeschleunigungen wie in Kashiwazaki-Kariwa auf ihre anderen Kernkraftwerke ausgewirkt hätten. Das Ergebnis liegt jetzt vor. Demnach wären auch bei den Siedewassereinheiten von Fukushima-Daiichi und Fukushima-Daini nach einem solchen Beben die essentiellen Sicherheitsfunktionen «Abschalten», «Kühlen» und «Einschliessen» gewährleistet geblieben.

Am Standort Kashiwazaki-Kariwa hat die Tepco ausserdem geologische Untersuchungen eingeleitet. Sie sollen vertieft die Hypothese prüfen, die bekannten Verwerfungslinien im Norden des Standorts und vor der Küste könnten im Untergrund bis zum Kernkraftwerk reichen. Das Programm umfasst 13 Probebohrungen bis auf eine Teufe von 300 m und vier Probebohrungen bis in Teufen von 300-1300 m am Standort sowie reflexionsseismische Analysen mit künstlicher Bodenerschütterung in der ganzen Region. Die Feldarbeiten sollen Ende März 2008 zum Abschluss kommen.

Quelle: 
P.B. nach Japan Nuclear Technology Institute, Medienmitteilung, 19. September, Nisa, Medienmitteilung, 4. Oktober, und Tepco, Pressemitteilungen, 13., 20. und 27. September 2007