16.12.2008

Verstärkte nukleare Zusammenarbeit zwischen Indien und Russland

Indien und Russland wollen ihre Zusammenarbeit im zivilen Nuklearbereich ausbauen. Im Rahmen eines dreitägigen Staatsbesuchs des russischen Präsidenten Dmitri Medwedew in Indien unterzeichneten beide Staaten am 5. Dezember 2008 ein entsprechendes Abkommen. Russland ist das dritte Land, mit dem Indien eine solche Vereinbarung trifft.

Anil Kakodkar, Vorsitzender der indischen Atomenergiekommission, und Sergei Kirijenko, Generaldirektor der russischen Föderalen Agentur für Atomenergie Rosatom, unterzeichneten die Vereinbarung anlässlich eines Gipfeltreffens anfangs Dezember 2008 in New Delhi. Der indische Premierminister Manmohan Singh bezeichnete die Unterzeichnung als «neuen Meilenstein in der Geschichte unserer Zusammenarbeit mit Russland im Bereich der friedlichen Nutzung der Kernenergie». Für Medwedew ist die Kooperation mit Indien im Energiesektor eine der klaren Prioritäten des Landes.

Zwei weitere Blöcke in Kudankulam

In einer ersten Phase wird Russland Indien beim Bau zwei weiterer Kernkraftwerkseinheiten am südindischen Standort Kudankulam unterstützen. Dort werden bereits zwei WWER mit russischer Hilfe erstellt. Laut Nuclear Power Corporation of India Ltd. ist Kudankulam-1 zu knapp 90% und Kudankulam-2 zu 78% fertiggestellt. Die Inbetriebnahme der Einheit 1 ist für August 2009 vorgesehen und die der Einheit 2 im Mai 2010. Geplant ist zudem der Bau russischer Reaktoren in anderen Landesteilen. Zwei dieser Standorte stehen gegenwärtig in der Endevaluation. Russische Unternehmen wollen zudem gemeinsam mit indischen Partnern bei der Gewinnung von Mineralien zusammenarbeiten.

Russland und Indien hatten bereits am 25. Januar 2007 eine Absichtserklärung für den Bau weiterer Kernkraftwerke unterschrieben. Die Unterzeichnung der formellen Vereinbarung zu einer vertieften Zusammenarbeit war möglich geworden, nachdem die Nuclear Suppliers Group (NSG) am 6. September 2008 die Aufhebung des Lieferverbots für Nukleartechnologie an Indien gebilligt hatte. Die NSG erlaubt grundsätzlich keine nuklearen Geschäfte mit Ländern wie Indien, die den Atomwaffensperrvertrag nicht anerkennen.

Drei internationale Kooperationsverträge mit Indien

Frankreich hatte bereits am 30. September 2008 ein bilaterales Abkommen zur friedlichen Nutzung der Kernenergie mit der indischen Regierung unterzeichnet. Anfang Oktober 2008 folgten die USA.

Grossbritannien hat inzwischen seine Richtlinien für nuklear bezogene Exporte überarbeitet und prüft ab sofort fallweise Exportgesuche für Nukleartechnologie, die zu zivilen Zwecken an Indien geliefert werden soll. Der britische Premierminister Gordon Brown hatte bereits Ende Januar 2008 Pläne für ein Kooperationsabkommen zwischen Grossbritannien und Indien angekündigt, sollte die NSG ihr Lieferverbot aufheben. Bislang ist jedoch noch keine bilaterale Vereinbarung getroffen worden.

Quelle: 
M.A. nach indischer Regierung, Medienmitteilungen, 5. Dezember, und Nuclear Power Corporation of India, Pressemitteilung, 6. Dezember, sowie The Hansard, 10. November 2008