Deutschland: Appell an Bundesregierung zur Reaktivierung der Kernkraftwerke

In Deutschland haben sich ehemalige Kernkraftwerksleiter und weitere Kerntechnikexperten in einem Brief an Bundeskanzler Friedrich Merz, Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche und Unions-Fraktionschef Jens Spahn gewandt. Sie halten die Reaktivierung deutscher Kernkraftwerke aus technischer Sicht für möglich und sinnvoll. Dies zeigt auch ein neuer Bericht der Radiant Energy Group.

7. Juli 2026
Ansicht des abgeschalteten Kernkraftwerks Isar-2
Das Kernkraftwerk Isar-2 gehört zu den letzten drei deutschen Anlagen, die im Frühjahr 2023 abgeschaltet wurden.
Quelle: Nuklearia

Die Unterzeichner des Briefs verfügen über jahrzehntelange Erfahrung in Planung, Bau, Betrieb und Sicherheit von Kernkraftwerken. Zu ihnen gehören ehemalige Leiter der Kernkraftwerke Emsland, Biblis, Philippsburg 2 und Leibstadt sowie weitere Ingenieure, Wissenschaftler und international tätige Fachleute. Sie betonen, dass Deutschland trotz des Ausbaus der erneuerbaren Energien gesicherte Kraftwerkskapazitäten und die Industrie wettbewerbsfähige Strompreise benötige. Kernkraftwerke lieferten CO₂-armen Strom. Zudem hätten sie einen geringen Brennstoffbedarf und verringerten damit die Abhängigkeit von anderen Industriestaaten.

Der Ausstieg Deutschlands aus der Kernenergie sei eine politische Fehlentscheidung gewesen. «Wir weisen als kerntechnische Führungskräfte und Experten darauf hin, dass eine Reaktivierung der deutschen Kernkraft technisch eine mögliche und sinnvolle Option ist», halten die Unterzeichner fest. Noch seien in Deutschland Kompetenz, Standorte, Infrastruktur, Kraftwerksgebäude, Teile der Anlagen und des Personalstamms verfügbar. Zudem seien im Ausland deutsche Anlagen sowie ähnliche Kernkraftwerke weiterhin in Betrieb oder in Bau, weshalb in Industrie, Brennstoffbewirtschaftung und Ausbildung weiterhin Erfahrungen mit dem deutschen Anlagentyp vorhanden seien. «Die Instandsetzung und Reaktivierung bestehender Anlagen ist im Übrigen essentiell für den Kompetenzerhalt in Deutschland und damit die Anschlussfähigkeit bei zukünftigen Technologien wie Small Modular Reactors (SMR) und Kernfusion.»

Als fachliche Grundlage nennen die Unterzeichner den Bericht «Wiederinbetriebnahme deutscher Kernkraftwerke – Wirtschaftliche Tragfähigkeit und Ausblick» der Radiant Energy Group, der am 29. Juni 2026 veröffentlicht wurde. Er entstand mit Unterstützung des Kernenergievereins Nuklearia und weiterer deutscher Kerntechnikexpertinnen und -experten. Der Bericht kommt laut Nuklearia zum Ergebnis, dass die Reaktivierung deutscher Kernkraftwerke technisch machbar und wirtschaftlich sinnvoll ist; Grundlage seien technische Zustandsbewertungen sowie Erfahrungen aus internationalen Wiederinbetriebnahmen.

Quelle

B.G. nach Nuklearia, Medienmitteilungen, 25. und 29. Juni 2026

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