Neue Kernkraftwerke finanzieren: Entscheidend sind Risikoverteilung und Projektmanagement

Wie lassen sich neue Kernkraftwerke finanzieren und welche Voraussetzungen braucht es dafür? Im Webinar des Nuklearforums Schweiz vom 8. Oktober 2026 erläuterte Prof. Jan-Horst Keppler, Senior Economic Advisor der OECD Nuclear Energy Agency (NEA), internationale Finanzierungsmodelle und zeigte auf, welche Faktoren für den wirtschaftlichen Erfolg neuer Kernkraftwerksprojekte entscheidend sind.

26. Okt. 2026
Forums-Talk mit Prof. Jan-Horst Keppler
Prof. Jan-Horst Keppler beleuchtete im Webinar des Nuklearforums Schweiz Finanzierungsmodelle, Chancen und Risiken beim Neubau von Kernkraftwerken.
Quelle: Nuklearforum Schweiz

Mit Blick auf die politische Diskussion über die Aufhebung des Neubauverbots in der Schweiz gewinnt die Frage nach einer Finanzierung möglicher neuer Kernkraftwerke an Bedeutung. In seinem Referat machte Keppler deutlich, dass Finanzierung, Strommarktdesign und Projektmanagement nicht isoliert betrachtet werden dürfen. Entscheidend sei insbesondere, wie Risiken verteilt und begrenzt werden.

Eine der grössten Herausforderungen ist das Baurisiko. Lange Bauzeiten, hohe Anfangsinvestitionen und mögliche Kostenüberschreitungen erschweren die Finanzierung. Keppler zeigte auf, weshalb eine Kombination aus staatlicher Beteiligung, privaten Investitionen und langfristigen Preisabsicherungen sinnvoll sein kann. Internationale Ansätze wie Contracts for Difference (CfD) oder das britische Regulated Asset Base-Modell (RAB) bieten dafür unterschiedliche Möglichkeiten.

Ebenso wichtig ist laut Keppler ein professionelles Projektmanagement mit klaren Verantwortlichkeiten, einer starken Projektleitung und geeigneten Anreizsystemen. Eine gute Finanzierungsstruktur allein könne organisatorische Schwächen nicht ausgleichen.

Ein weiterer zentraler Punkt: Die Risiken verändern sich im Projektverlauf. Während der Bauphase sind sie besonders hoch, nach der Inbetriebnahme deutlich geringer. Keppler plädierte deshalb für eine dynamische Finanzierung, bei der private Investoren mit fortschreitendem Projekt zunehmend Verantwortung übernehmen können.

Für die Schweiz sieht Keppler günstige Voraussetzungen, insbesondere dank der tiefen Kapitalkosten, der wirtschaftlichen Kompetenzen und der stabilen institutionellen Rahmenbedingungen. Gleichzeitig unterstrich er, dass die Finanzierung neuer Kernkraftwerke langfristige politische Entscheidungen und eine gesellschaftlich akzeptierte Verteilung von Kosten und Risiken voraussetzt.

Das vollständige Referat von Prof. Jan-Horst Keppler steht hier als Videoaufzeichnung zur Verfügung.

Quelle

M.S., 9. Oktober 2026

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