OECD-NEA: Kernenergieausbau fordert die Branche

Die weltweite Kernenergie steht vor einer grossen Ausbauaufgabe. Soll die installierte Kernenergiekapazität bis 2050 wie in zahlreichen internationalen Szenarien vorgesehen deutlich wachsen, müssen Regierungen und Industrie ihre Anstrengungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette massiv verstärken. Zu diesem Schluss kommt die OECD-Kernenergieagentur in ihrem neuen Nuclear Energy Outlook.

17. Juli 2026
Energy Outlook
Der neuste Nuclear Energy Outlook der NEA analysiert vier Entwicklungspfade der weltweiten Nuklearbranche.
Quelle: NEA

Mit dem «Nuclear Energy Outlook: Global Installed Capacity to 2050 and Beyond» will die Nuclear Energy Agency (NEA) Regierungen und Industrie eine Orientierung bieten, welche Voraussetzungen geschaffen werden müssen, damit die weltweit wachsenden Ausbaupläne tatsächlich umgesetzt werden können. Die Analyse unterstreicht, dass der Erfolg nicht allein von technologischen Entwicklungen abhängt, sondern ebenso von einer langfristigen politischen Strategie, internationalen Zusammenarbeit und dem rechtzeitigen Ausbau der notwendigen industriellen Kapazitäten.

Die Studie zeigt, dass die gegenwärtige Dynamik zwar deutlich zugenommen hat: Viele Länder verlängern die Laufzeiten bestehender Kernkraftwerke, planen neue Grossreaktoren oder investieren in die Entwicklung kleiner modularer Reaktoren (SMR). Gleichzeitig wächst der Strombedarf durch Elektrifizierung, Digitalisierung und den Aufbau neuer Industrien kontinuierlich. Um die ambitioniertesten Ausbaupfade zu erreichen, müsse das heutige Ausbautempo deutlich gesteigert werden.

Nach Einschätzung der NEA reicht es nicht aus, zusätzliche Reaktoren zu planen. Vielmehr müsse die gesamte nukleare Infrastruktur wieder auf Wachstum ausgerichtet werden. Dazu gehören der Ausbau industrieller Fertigungskapazitäten, belastbare Lieferketten, ausreichende Brennstoffversorgung sowie genügend qualifiziertes Personal für Planung, Bau, Betrieb und Aufsicht. Auch Genehmigungs- und Regulierungsverfahren müssten effizient gestaltet werden, ohne Abstriche bei der Sicherheit zu machen.

Langzeitbetrieb kostengünstig – Neubau unverzichtbar

Die Analyse beschreibt vier mögliche Entwicklungspfade bis weit über das Jahr 2050 hinaus. Diese unterscheiden sich hinsichtlich der Geschwindigkeit des Ausbaus sowie der langfristigen Rolle der Kernenergie im globalen Energiesystem. Gemeinsam ist allen Szenarien, dass die bestehenden Kernkraftwerke eine zentrale Rolle spielen. Laufzeitverlängerungen gelten als eine der kostengünstigsten und schnellsten Möglichkeiten, kohlenstoffarmen Strom bereitzustellen und gleichzeitig Zeit für den Bau neuer Anlagen zu gewinnen.

Gleichzeitig macht die OECD-NEA deutlich, dass der Neubau grosser Kernkraftwerke weiterhin unverzichtbar bleibt. Ergänzend könnten SMR in Zukunft zusätzliche Einsatzmöglichkeiten eröffnen und den Ausbau beschleunigen. Entscheidend sei jedoch, dass alle verfügbaren Technologien parallel entwickelt und eingesetzt werden, um den steigenden Strombedarf zuverlässig decken zu können.

Als grösste Herausforderung identifiziert die Studie den Wiederaufbau der nuklearen Lieferketten. In vielen Ländern seien Fertigungskapazitäten und Fachwissen nach Jahrzehnten geringer Bautätigkeit zurückgegangen. Soll die weltweite Kernenergiekapazität bis 2050 verdoppelt oder sogar verdreifacht werden, müssten Hersteller, Zulieferer, Behörden und Bildungseinrichtungen ihre Kapazitäten frühzeitig ausbauen. Dies erfordere langfristige politische Planungssicherheit sowie stabile Investitionsbedingungen.

NEA-Generaldirektor William D. Magwood IV betont, dass die Welt vor einer einmaligen industriepolitischen Aufgabe stehe. Der Ausbau der Kernenergie sei nicht allein eine Frage neuer Reaktoren, sondern erfordere den gleichzeitigen Aufbau der industriellen, regulatorischen und personellen Grundlagen für eine nachhaltige Expansion des Sektors.

Quelle

M.R. nach NEA, News vom 2. Juli 2026

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