Schweden: Erstes Gesuch um staatliche Beihilfe für neue Kernreaktoren eingereicht

Das Projektunternehmen Videberg Kraft hat bei der schwedischen Regierung einen Antrag auf Finanzierung und Risikoteilung eingereicht. Videberg Kraft ist das erste Unternehmen, das für neue Kernkraftwerke in Schweden staatliche Beihilfen beantragt. Damit soll der Bau von kleinen, modularen Reaktoren (SMRs) im südschwedischen Ringhals ermöglicht werden.

19. Jan. 2026
Kernkraftwerkstandort Ringhals in Schweden
Am Standort des bestehenden Kernkraftwerks Ringhals in Südschweden möchte Vattenfall mehrere kleine Reaktoren errichten.
Quelle: Vattenfall

Die schwedische Regierung hat am 23. Dezember 2025 den ersten Antrag auf staatliche Beihilfen für neue Kernkraftwerke in Schweden erhalten. Eingereicht wurde dieser vom Projektunternehmen Videberg Kraft, das im April 2025 vom Energieversorger Vattenfall gegründet wurde. Vattenfall benötigte ein solches Projektunternehmen, damit es den Antrag stellen konnte. Der Antrag sieht den Bau von kleinen, modularen Reaktoren (SMRs) auf der Halbinsel Värö am Nuklearstandort Ringhals mit einer Gesamtleistung von rund 1500 MW vor. In Frage kommen fünf SMRs des Typs BWRX‑300 von GE Vernova Hitachi Nuclear Energy (GVH) mit je 300 MW oder drei Rolls-Royce-SMRs mit je 470 MW Leistung. Der Bewertungsprozess der beiden SMR-Typen läuft noch. Die Transaktion zum Einstieg des Industriekonsortiums Industrikraft mit einem Anteil von 20 Prozent an Videberg Kraft soll im Januar 2026 abgeschlossen werden, vorbehaltlich der Genehmigung durch die zuständige Aufsichtsbehörde.

Der Antrag von Videberg Kraft wurde auf Grundlage des Gesetzes über staatliche Beihilfen und Investitionen in neue Kernkraftwerke erstellt, das am 1. August 2025 in Kraft trat. «Nach diesem Gesetz können Unternehmen, die an Investitionen in neue Kernreaktoren in Schweden interessiert sind, finanzielle Unterstützung beantragen, die in verschiedenen Phasen eines Projekts gewährt wird», schrieb das schwedische Finanzministerium und ergänzte, dass am 1. August auch eine Verordnung in Kraft getreten sei, die detailliertere Bestimmungen zum Inhalt der Förderanträge enthalte.

Regierungsunterstützung im Sinne einer Anschubfinanzierung

Das Finanzministerium erklärte, dass die Beihilfen in Form von staatlichen Darlehen und zweiseitigen Stromabnahmeverträgen (Contracts for Difference, CfD) gewährt würden. Mit beiden Instrumenten sollen Investitions- und Marktpreisrisiken zwischen Staat und Kernkraftwerksbetreiber geteilt werden. Die Darlehen seien für den «Bau und die Erprobung neuer Kernreaktoren sowie für Planungs- und andere Vorbereitungsmassnahmen» vorgesehen, während die Stromabnahmeverträge beim Routinebetrieb der neuen Kernreaktoren zum Tragen kämen. Die staatlichen Beihilfen seien begrenzt und sollen Investitionen bis zu einer installierten Gesamtleistung von 5000 MW umfassen (im Sinne einer Anschubfinanzierung).

Der Antrag von Videberg Kraft werde nun geprüft, damit die Regierung einen Förderentscheid treffen könne, schrieb das Finanzministerium. Die genauen Bedingungen und der Umfang der Förderungen müssten zwischen der Regierung und Videberg Kraft verhandelt werden. Komme eine Vereinbarung zustande, leite die Regierung das formelle Verfahren für staatliche Beihilfen bei der Europäischen Kommission ein. «Wir freuen uns, dass Videberg Kraft nun mit der Einreichung eines Antrags auf staatliche Beihilfen einen wichtigen Schritt in Richtung einer Investition in neue Kernkraft unternimmt. Die Risikoteilung durch die Regierung wird für das Projekt von entscheidender Bedeutung sein», sagte Desirée Comstedt, VP New Nuclear bei Vattenfall und CEO von Videberg Kraft.

Quelle

B.G. nach Vattenfall und schwedisches Finanzministerium, Medienmitteilungen, 23. Dezember 2025

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