Schweden: Staat will Mehrheitsbeteiligung am Videberg-Kernkraftwerksprojekt
Videberg Kraft plant den Bau neuer Kernkraftwerke in Ringhals. Mit einem Nachtragsbudget schlägt die schwedische Regierung vor, eine Mehrheitsbeteiligung an Videberg Kraft zu übernehmen, um Investitionsrisiken zu senken und den Neubau zu fördern. Ebenfalls will der Staat eine Rolle bei der Finanzierung der Entsorgung übernehmen.

Die schwedische Projektgesellschaft Videberg Kraft ist für Entwicklung, Finanzierung, Bau und später Betrieb neuer Reaktoren am schwedischen Nuklearstandort Ringhals zuständig. Dort auf der Halbinsel Värö ist der Bau von kleinen, modularen Reaktoren (SMRs) mit einer Gesamtleistung von rund 1500 MW geplant. In Frage kommen fünf SMRs des Typs BWRX‑300 von GE Vernova Hitachi Nuclear Energy (GVH) oder drei SMRs von Rolls-Royce SMR.
Schweden verabschiedete im Mai 2025 ein Fördermodell mit staatlichen Beihilfen für neue Kernreaktoren mit einer Gesamtleistung von bis zu 5000 MW, das zur Verringerung von Investitionsrisiken beitragen soll. Das Projekt von Videberg Kraft in Ringhals entspricht rund 30% dieser Kapazität und gilt im Rahmen des Finanzierungs- und Risikoteilungsmodells der Regierung als förderungswürdig. Die Beihilfen umfassen staatliche Darlehen und zweiseitige Stromabnahmeverträge (Contracts for Difference, CfD). Den Antrag auf staatliche Unterstützung stellte Videberg Kraft im Dezember 2025.
Neue Kernkraft als gesellschaftliche Investition
Der staatliche Energieversorger Vattenfall hält derzeit 80% an Videberg Kraft, das Industriekonsortium Industrikraft 20%. Im Nachtragsbudget 2026 schlägt die schwedische Regierung vor, dass der Staat in den Jahren 2026–2027 Anteile an Videberg Kraft erwirbt, um eine Mehrheitsbeteiligung von 60 % zu erreichen. Die anfängliche Kapitaleinlage soll bis zu SEK 1,8 Mrd. (rund CHF 154 Mio.) betragen. In der Regierungserklärung zum Nachtragsbudget heisst es: «Neue Kernkraft ist eine gesellschaftliche Investition, die eine neue Rolle für den Staat voraussetzt.» Sie erfordert sowohl private Investitionen als auch staatliche Beiträge.
Die Regierung will zudem die Genehmigung erhalten, den staatlichen Beteiligungsanteil an Videberg Kraft während der Bauphase flexibel zwischen 51% und 65% anzupassen. Zusätzlich sind Kapitaleinlagen von bis zu SEK 34,3 Mrd. (knapp CHF 3 Mrd.) vorgesehen, sofern sich die übrigen Anteilseigner proportional beteiligen.
Schwedischer Staat beteiligt sich auch an Entsorgung radioaktiver Abfälle
Gleichzeitig sieht die Regierung vor, dass der Staat umfassende Verantwortung in einem neuen Programm zur Entsorgung radioaktiver Abfälle aus künftigen Reaktoren übernimmt. «Die Fixkosten für dieses Programm werden auf SEK 122 Mrd. (Stand: 2026. [rund CHF 10,4 Mrd.]) geschätzt, mit einem zusätzlichen Rahmen für Kostensteigerungen von SEK 61 Mrd. [CHF 5,2 Mrd.] für den Zeitraum 2035–2159», schrieb Vattenfall. Dem Vorschlag zufolge soll der Staat Vereinbarungen zur Kostenbeteiligung abschliessen, um zu vermeiden, dass der erste Betreiber eines neuen Kernkraftwerks das gesamte finanzielle Risiko allein tragen muss.
Quelle
B.G. nach NucNet, 15. April 2026, und Vattenfall, Medienmitteilung, 14. April 2026
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