Sellafield: Wichtiger Testlauf im britischen Zwischenlager erfolgreich

Altlasten des britischen Sellafield-Nuklearkomplexes sollen ab Sommer 2022 im neu errichteten Zwischenlager aufbewahrt werden. Die mittelaktiven Abfälle bestehen aus Hüllrohren ausgedienter Brennelemente und werden für die Zwischenlagerung in Stahlbehälter eingeschlossen. In einem erfolgreichen Probelauf wurde ein Testbehälter per Strassentransport beim Zwischenlager angeliefert und via Umladeanlage in den Lagerbereich transportiert.

25. Feb. 2022
Umladestation in Sellafield
Ein Stahlbehälter wird in der Direct Import Facility via Strassenbucht entgegengenommen und in den Lagerbereich des Zwischenlagers gebracht.
Quelle: Sellafield Ltd.

«Wir wissen, dass die Beseitigung der radioaktiven Abfälle aus unserem Pile Fuel Cladding Silo (PFCS) eine unserer grössten Herausforderungen in Sellafield ist», hält die Sellafield Ltd. fest. Im Auftrag der Nuclear Decommissioning Authority (NDA) wird sie diese lösen: «Dazu füllen wir die Abfälle in Zehntausende von speziell angefertigten Zwischenlagerbehälter und bringen diese über unsere mehrere Millionen Pfund teure Empfangs- und Verpackungsanlage in ein neu gebautes Zwischenlager.» Das PFCS ist ein über 70 Jahre altes Gebäude auf dem Gelände des Nuklearkomplexes. Es fasst über 3200 Kubikmeter mittelaktive Abfälle, die aus Magnesium-Hüllrohren ausgedienter Brennelemente bestehen, die vor der Wiederaufarbeitung entfernt wurden. Die Betonhülle des Gebäudes ist undicht geworden und entspricht nicht mehr modernen Sicherheitsstandards. Sie muss fortlaufend abgedichtet werden, was anspruchsvoll und teuer ist. Nun werden das PFCS stillgelegt und die Abfälle in ein neues Zwischenlager überführt. Dort bleiben sie bis zu 100 Jahre lang eingelagert, bis ein geologisches Tiefenlager bereitsteht. Als Zwischenlagerbehälter dient ein würfelförmiger Stahlbehälter mit einem Volumen von drei Kubikmetern.

Anlagen des Zwischenlagers werden gründlich getestet
Das Zwischenlager befindet sich im Gebäudekomplex Box Encapsulation Plant Product Store – Direct Import Facility (BEPPS-DIF). Dort werden die Abfälle aus dem PFCS angeliefert, in der Abfallbehandlungs- und Verpackungsanlage Box Encapsulation Plant (BEP) konditioniert, ins Zwischenlager transferiert und dort im Lagerbereich eingelagert.

Die Umladeanlage «Direct Import Facility (DIF) ist dabei ein wichtiges Bindeglied», schreibt die Sheffield Ltd. Darüber würden alle Zwischenlagerbehälter via Transferzelle zum Lagerbereich des Zwischenlagers gebracht. «Es gibt zwei Zugänge zur Direct Import Facility ‒ einen direkten von der Box Encapsulation Plant her und den anderen über die Strassenbucht.» Über die Strassenbucht werden später auch Abfälle aus externen Gebäuden angeliefert und ins Zwischenlager gebracht.

Transportfahrzeug mit Testbehälter
Das Transportfahrzeug bringt den Testbehälter zur Strassenbucht.
Quelle: Sellafield Ltd.

Die Anlagen der DIF und die Abläufe darin wurden bereits in früheren Testläufen – isoliert vom Rest der Anlage – erprobt (YouTube-Video). Nun wurde mit einer Strassenanlieferung das Zusammenspiel aller Anlagen erprobt: Ein Testbehälter wurde via Strassenbucht in der DIF angeliefert und von dort im Zwischenlager eingelagert. Projektleiter Jeff Gaines war zufrieden: «Der Test soll beweisen, dass die Ausrüstung der Direct Import Facility und jene des Lagers als Einheit funktionieren. Das schafft Vertrauen im Hinblick auf die Demonstration der vollen Leistungsfähigkeit der Anlage. Beim Probelauf hat ein inaktiver Testbehälter zum ersten Mal den vollständigen Zyklus durchlaufen, von der Strassenbucht bis zum Lagerbereich. Er war ein voller Erfolg, ohne Fehler oder Ausfälle.»

Langjährig erprobte Abläufe in der Schweiz
Auch in der Schweiz werden die radioaktiven Abfälle in Zwischenlagern wie dem Zwilag in Würenlingen aufbewahrt, bis das geologische Tiefenlager bereitsteht. Für schwach- und mittelaktive Abfälle mit kontaminierten oder wenig aktivierten Stahl- und Betonstrukturteilen aus dem Rückbau des Kernkraftwerks Mühleberg werden Betoncontainer eingesetzt. Sie dienen dem Transport auf der Strasse und sind im Zwilag für die Zwischenlagerung stapelbar. Die abgebrannten Brennelemente werden mit Transport- und Lagerbehältern (Castoren) ins Zwischenlager gebracht und dort aufbewahrt. Die Abläufe beim Anliefern und Zwischenlagern der Abfälle sind seit zwei Jahrzehnten erprobt.

Quelle

B.G. nach Sellafield Ltd, Medienmitteilungen, 14. Februar 2022, 12. Februar 2021 und 21. August 2020; Nagra, Blogbeitrag, 15. Januar 2021; Sellafield Ltd und NDA, Medienmitteilung, 10. August 2018

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