Strombranche will 30 Milliarden Franken investieren

Die Sicherstellung einer zuverlässigen, wirtschaftlichen und nachhaltigen Stromversorgung ist für die in der Organisation swisselectric zusammengeschlossenen Schweizer Stromverbundunternehmen von erstrangiger Bedeutung und zugleich eine grosse Herausforderung. Um die drohende Stromlücke abzuwenden, sind Investitionen von rund CHF 30 Mrd. bis zum Jahr 2035 nötig. Diesen Vorschlag hat Heinz Karrer, CEO der Axpo Holding AG, im Namen der swisselectric an der Sessionsveranstaltung des Energieforums Schweiz am 22. März 2007 in Bern vorgestellt.

21. März 2007

Laut Karrer sind die Investitionen notwendig, um den Produktionsrückgang aufzufangen, der durch die altersbedingte Abschaltung der Kernkraftwerke Beznau-1 und -2 und Mühleberg nach 2020 (minus 9 Mrd. kWh) sowie durch das Auslaufen der heutigen Stromimportverträge mit Frankreich ab 2018 (minus 4 Mrd. kWh) entstehen. Dazu kommt bis 2035 ein zu erwartender Mehrverbrauch von 15 Mrd. kWh, der sich aus der Annahme eines moderaten Verbrauchszuwachses von 0,5% pro Jahr ergibt (in den letzten Jahren ist der Verbrauch durchschnittlich um etwa 2% jährlich angestiegen).

Dies bedeutet, dass der heutige Schweizer Verbrauch von heute 62 Mrd. kWh (58 Mrd. kWh Inlandproduktion plus 4 Mrd. kWh Stromimporte) bis ins Jahr 2035 um die geschätzten 15 Mrd. kWh auf 77 Mrd. kWh ansteigen dürfte. Die zu erwartenden Stromlücke beträgt demnach:

Stromimporte sind keine Option

Karrer wies darauf hin, dass Stromimporte aufgrund der EU-Wettbewerbsregelungen bereits heute wegen knapper grenzüberschreitender Netzkapazitäten sowie einer ebenfalls absehbaren grossen Stromlücke in den EU-Ländern keine zuverlässige Option seien. Die langfristige Versorgungssicherheit in der Schweiz könne nur mit entsprechenden Massnahmen und Investitionen im Inland gewährleistet werden.

Versorgungssicherheit dank breitem Energiemix

Grundsätzlich unterstütze die Strombranche die Energiestrategie des Bundesrates mit den Pfeilern Energieeffizienz, erneuerbare Energien, Grosskraftwerke und Energieaussenpolitik, sagte Karrer. Die Verbundunternehmen seien überzeugt, dass die Sicherung der Schweizer Stromversorgung nur mit einem breiten Mix von gleichzeitig einzuleitenden Massnahmen gelinge. Konkret sehen die Verbundunternehmen folgende Investitionen vor:

Der Vorschlag der Verbundunternehmen im Einzelnen

  • Erneuerbare Energien und Energieeffizienz: Im Vordergrund steht ein moderater Ausbau der Wasserkraft. Dazu erachten die Verbundunternehmen den Mitteleinsatz für Biomasse als besonders sinnvoll. In beiden Fällen sei eine Güterabwägung mit dem Schutz der Umwelt nötig, sagte Karrer. Mit zielgerichteter Fachberatung und mit kommunikativen Massnahmen sollen Stromkundinnen und Stromkunden zudem verstärkt für den effizienten Einsatz von Strom sensibilisiert und motiviert werden.
  • Neue Kernkraftwerke: Sie dienen der Sicherstellung einer zuverlässigen, umweltgerechten und wettbewerbsfähigen Stromversorgung sowie als Ersatz für die Kernkraftwerke Beznau und Mühleberg und die auslaufenden Stromimportverträge mit Frankreich.
  • Gaskombikraftwerke: Diese sind wegen ihrer CO2-Produktion lediglich als Übergangslösung vorgesehen und tragen zur Versorgungssicherheit ab 2012 bei. Je rascher neue Kernkraftwerke ans Netz gehen können, desto weniger Gaskombikraftwerke werden benötigt. Ihr Einsatz ist zu Beginn im Mittel- und Grundlastbereich vorgesehen, mit einer Produktion von bis zu 10 Mrd. kWh jährlich. Nach dem Bau der neuen Kernkraftwerke dienen sie als Lieferanten von Spitzenenergie im Umfang von 3 Mrd. kWh. Gaskombikraftwerke substituieren im Übrigen den höheren CO2-Ausstoss aus allenfalls einzusetzenden Kohlekraftwerken im EU-Raum.
  • Netzausbauten: Bereits heute gelangen die Leitungsnetze an den Rand ihrer Transportkapazität. Ein Ausbau ist vor allem bei den Übertragungsnetzen (Hoch- und Mittelspannung) im Inland erforderlich.
  • Pumpspeicherkraftwerke: Sie sind die «Reservetanks» und sichern die Stromversorgung bei Bedarfsspitzen.

«Sowohl - als auch»

Zum Schluss betonte Karrer, dass die Strombranche zu bedeutenden Investitionen im Interesse der gesamten Volkswirtschaft bereit sei. Er rief die Politik auf, bei der Vorgabe der gesetzlichen und behördlichen Rahmenbedingungen klar und zügig vorzugehen. Um Versorgungssicherheit und Klimaschutz zu gewährleisten, sei nicht ein «entweder - oder», sondern ein «sowohl - als auch» nötig:

  • sowohl Energieeffizienz als auch Stromsparen
  • sowohl schonender Umgang mit Gewässern als auch Bau von Wasserkraftwerken
  • sowohl neue erneuerbare Energien als auch Kernenergie
  • sowohl Gaskombikraftwerke als auch CO2-Kompensation.

Quelle

M.A./M.S. nach swisselectric, Medienmitteilung, und Vortrag Heinz Karrer, 22. März 2007

Bleiben Sie auf dem Laufenden

Abonnieren Sie unseren Newsletter

Zur Newsletter-Anmeldung

Profitieren Sie als Mitglied

Werden Sie Mitglied im grössten nuklearen Netzwerk der Schweiz!

Vorteile einer Mitgliedschaft