TA-SWISS-Studie liefert Argumente für Aufhebung des AKW-Neubauverbots
Neue Kernkraftwerke können die Schweizer Winterstromimporte reduzieren und die erneuerbaren Energien ergänzen. Laut einer Studie im Auftrag der Stiftung für Technologiefolgen-Abschätzung (TA-SWISS) hängt ihr Beitrag insbesondere von rechtzeitiger Verfügbarkeit, tragbaren Kosten und gesicherter Finanzierung ab. Die Allianz sichere Stromversorgung sieht darin Argumente für die Aufhebung des Neubauverbots.

Die Studie Neue Nukleartechnologien – Eine Auslegeordnung für das Schweizer Energiesystem vergleicht drei Entwicklungsszenarien bis 2070: «Offene Märkte», «Autarkie» und «Weiter wie bisher». Die Modellierungen zeigen mögliche Entwicklungen unter bestimmten Annahmen und sind keine Prognosen.
Im Szenario «Offene Märkte» betragen die modellierten Nettoimporte im Winterhalbjahr ohne neue Kernkraftwerke 2070 noch rund 10,5 Terawattstunden (TWh). Neue Anlagen können diesen Bedarf deutlich senken. Den grössten Beitrag könnten sie laut TA-SWISS leisten, wenn sie frühzeitig, im Idealfall kurz vor 2050, ans Netz gingen.
Den grössten wirtschaftlichen Nutzen von Neubauten zeigt das Szenario «Offene Märkte». Hier liegen die Kosten des Gesamtenergiesystems zwischen 2035 und 2070 mit neuen Kernkraftwerken um CHF 4 bis 10 Mrd. beziehungsweise 0,3 bis 0,7 % tiefer als ohne Neubauten. Ohne spezifische staatliche Förderung wäre ein Neubau nach Einschätzung der Studienautoren kaum möglich. Kosten, Haftung und Risikoverteilung müssten zuvor geklärt werden.
Auch der Langzeitbetrieb bestehender Anlagen kann die Versorgung entlasten. Die Studie beziffert die kumulierten Kostenvorteile einer Verlängerung von Gösgen und Leibstadt von 60 auf 70 Jahre auf CHF 7 bis 12 Mrd. Zusätzliche Investitionen für die Verlängerung sind dabei nicht eingerechnet; ihre Machbarkeit müsste anlagenspezifisch geprüft werden.
Die Studie unterstreicht, dass Kernenergie den Ausbau erneuerbarer Energien, der Netze und Speicher ergänzt. Eine kohärente Gesamtenergiestrategie sei unabhängig von Neubauten nötig. Zu klären seien auch die sichere Beschaffung, Lagerung und Entsorgung von Brennstoffen. Zudem müsse das Fachwissen in Forschung und Betrieb erhalten bleiben. Politische Entscheide nimmt die Studie nicht vorweg.
Die Allianz sichere Stromversorgung fordert, die Option neuer Kernkraftwerke gesetzlich offenzuhalten. Eine Aufhebung des Neubauverbots bedeute keinen Bauentscheid, sondern ermögliche die Prüfung künftiger Projekte auf Sicherheit, Wirtschaftlichkeit und ihren Beitrag zur Versorgungssicherheit.
Quelle
S.D. nach TA-SWISS, Medienmitteilung, 27. Oktober 2026 und Allianz sichere Stromversorgung, Medienmitteilung vom 27. Oktober 2026.