Europäische Industrieverbände fordern technologieoffene EU-Klimaziele
Mehrere europäische Industrieverbände haben die EU-Kommission aufgefordert, bei den Klimazielen für 2040 konsequent auf Technologieneutralität zu setzen. In einem gemeinsamen offenen Brief warnen sie davor, bestimmte CO₂-arme Technologien politisch zu bevorzugen oder auszuschliessen. Entscheidend müsse allein der Beitrag zur Emissionsreduktion sein.

Zu den Unterzeichnern des Schreibens gehören unter anderem der europäische Industrieverband Nucleareurope, der Stromwirtschaftsverband Eurelectric, der Technologie- und Industrieverband Orgalim sowie weitere Organisationen aus energieintensiven Industrien. Gemeinsam vertreten sie Tausende Unternehmen aus den Bereichen Energieversorgung, Maschinenbau, Elektrifizierung, Hightech-Industrie und Nukleartechnologie.
Die Verbände fordern von der EU-Kommission einen regulatorischen Rahmen, der sämtliche CO₂-armen Technologien gleichbehandelt. Dazu zählen neben erneuerbaren Energien ausdrücklich auch Kernenergie, Wasserstoff, CO₂-Abscheidung und -Speicherung (CCS) sowie neue Nukleartechnologien wie kleine, modulare Reaktoren (SMR).
In dem Schreiben argumentieren die Industrieorganisationen, Europa könne seine Klimaziele nur erreichen, wenn Versorgungssicherheit, Wettbewerbsfähigkeit und Dekarbonisierung gemeinsam betrachtet würden. Eine einseitige politische Fokussierung auf einzelne Technologien gefährde dagegen Investitionen und industrielle Wertschöpfung in Europa.
Nucleareurope verweist seit Längerem darauf, dass Kernenergie und erneuerbare Energien gleichberechtigt behandelt werden sollten. Der Verband fordert insbesondere gleichen Zugang zu EU-Finanzierungsinstrumenten und einen «Level Playing Field»-Ansatz für alle Netto-Null-Technologien.
Hintergrund der Debatte sind die laufenden Beratungen der EU über neue Klimaziele für 2040. Parallel arbeitet die Europäische Kommission an der Aktualisierung ihres Nuclear Illustrative Programme (PINC), das den Investitionsbedarf und die Rolle der Kernenergie auf dem Weg zur Klimaneutralität bewerten soll.
Quelle
S.D. nach NucNet, 20. Mai 2026